Jour Fixe

Die Feder in der Hand bin ich eine ganz andere Person

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin (11. Veranstaltung in der Reihe Dialogos)

Donnerstag, 18. Juni 2020, 19.00 Uhr

Dr. Silvia Irina Zimmermann wird Leben und Werk der rumänischen Königin und Schriftstellerin Carmen Sylva (1843-1916), illustriert mit Fotos, vorstellen.

Referentin:
Silvia Irina Zimmermann ist Literaturhistorikerin, Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie ist Initiatorin und Mitbegründerin der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs in Neuwied.

Weitere Informationen auf der Website des Rumänischen Kulturinstituts


Jour Fixe

In Rumänien bewährt – in der EU begehrt

Dienstag, 4. März 2020, 19.00 Uhr

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EuStA), 2019 formal gegründet, soll im Herbst 2020 ihre Arbeit aufnehmen. Sie wird vor allem mit der Verfolgung von Straftaten gegen die finanziellen Interessen der EU befasst sein, also z.B. mit dem illegalen „Abzweigen“ von EU-Fördermitteln für andere Zwecke als die, für die sie gedacht sind. Für später kommt eine Erweiterung des Aufgabenbereichs in Betracht, etwa auf die Verfolgung von grenzüberschreitender organisierter Kriminalität und von internationalen Formen des Terrorismus.

Erste Leiterin der Behörde, also erste Europäische Generalstaatsanwältin, ist die Rumänin Laura Codruța Kövesi. Sie hat sich bei der Besetzung des Amtes mit Rückendeckung des Europäischen Parlaments gegen starke Konkurrenz vor allem aus Frankreich durchgesetzt und – was als Kuriosum gelten kann – auch gegen ihre eigene Regierung. Laura Codruța Kövesi hat sich in Rumänien als langjährige Leiterin der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft „DNA“ (Direcția Națională Anticorupție) einen Namen, aber auch zahllose Feinde gemacht.

Referent:
Alexander Roth ist langjähriges Beiratsmitglied der DRG. Er ist selbst Staatsanwalt und hat in seiner derzeitigen Tätigkeit als Referent für strafrechtliche EU-Angelegenheiten im brandenburgischen Justizministerium die Gründung der EuStA und die Ernennung von Frau Kövesi gleichsam aus der Nähe begleitet. Er wird über die spannende Entstehungsgeschichte der EuStA, ihre Aufgaben und ihre künftige Tätigkeit ebenso berichten wie über das ungewöhnliche Verfahren, dass zur Ernennung der bewunderten und gehassten rumänischen Kandidatin zur Inhaberin des neuesten EU-Spitzenamtes (und zugleich des höchsten, das von einem Mann oder einer Frau aus den osteuropäischen Ländern besetzt ist) berichten.


Jour Fixe

Überraschungen in Teleorman: Eine ungewöhnliche Dienstreise nach Rumänien

Dienstag, 28. Januar 2020, 19.00 Uhr

In Berlin leben aktuell etwa 30.000 Menschen aus Rumänien. Jedes Jahr kom­men mehr RumänInnen in die Hauptstadt – und bleiben. Sie suchen ein besseres Leben für sich selbst und Ihre Kinder; vor allem suchen sie Arbeit.

Die Mobilität seiner BürgerInnen stellt Europa vor Herausforderungen, die vor allem von den Kommunen gelöst werden müssen. Im täglichen Kontakt zur Zielgruppe, aber auch bei der Planung von Hilfen, stehen auch die Berliner Be­zirke vor diversen Herausforderungen. Oft fehlt Hintergrundwissen über Hilfen und Strukturen im Herkunftsland.

Deshalb beschloss das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eine Fachreise nach Rumänien durchzuführen. Mit einer Delegation bestehend aus Verwal­tungsmitarbeiterInnen und SozialarbeiterInnen ging es im Herbst 2019 in den Kreis Teleorman. Es sollten Kontakte zu Kreis und Kommunen aufgebaut, und herausgefunden werden, mit welchen Maßnahmen sozialen Notlagen vor Ort be­gegnet wird. Interessantes, Neues und Überraschendes begegnete der Delegation in Bukarest, Alexandria und Roșiorii de Vede.

Janka Vogel, die die Reise in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt und dem Reisebüro „Rumänien Touring“ organisiert hat, wird anhand von Fotos über die Erlebnisse und Erkenntnisse berichten.

Referentin:
Janka Vogel hat in Kassel, Marburg, Sibiu/Hermannstadt und Jena ev. Theologie, Erziehungswissenschaft und Südosteuropastudien studiert. Zuletzt erschien von ihr „Die rumänische Diaspora in Berlin“ (Peter-Lang-Verlag 2018). Sie ist Mitglied im Vorstand der DRG.

Bericht zur Reise auf der Homepage des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin


Jour Fixe

Veranstaltung anlässlich des 30. Jahrestages der Revolution in Rumänien

in Kooperation mit Diaspora Civică Berlin

Samstag, 30. November 2019, 18.00 Uhr

Dabei soll nicht der Ereignisse vom Dezember 1989 gedacht, sondern erzählt werden, welche Folgen der Sturz des Kommunismus in Rumänien hatte und inwiefern sich das Leben verändert hat. Wir schlagen Euch vor, gemeinsam in diesen vergangenen Zeitraum zurückzukehren, um ans Licht zu bringen, was diese Zeit auf einem persönlichen Niveau für jede und jeden von uns bedeutet hat. Was steckt z.B. hinter der Entscheidung, von Rumänien auszuwandern, oder wie hat sich das Land seit 1989 geändert.

Nein, Ihr sollt keinen Vortrag über die Revolution 1989 erwarten, sondern kurze Berichte von Personen, die über Erlebnisse und Erfahrungen in der Nachwendezeit erzählen. Auch Ihr könnt dazu beitragen. Von 19:00 bis 20:00 Uhr werden Gäste gebeten, fünf Minuten über Erlebnisse in der Zeit nach 1989 zu berichten. Es kann deutsch oder rumänisch gesprochen werden; zwei Moderatorinnen werden dabei helfen und dolmetschen.

Mitglieder der DRG und der Diaspora Civica haben kurze Interviews mit Zeitzeugen gemacht, die Ihr Euch danach per Kopfhörer anhören können. Schriftstücke und andere Ausstellungsgegenstände werden im Studio ausgestellt.

Gefeiert mit Musik und Getränken wird anschließend auch – wenn Ihr wollt bis nach Mitternacht.

Weitere Informationen


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100 Jahre BAUHAUS – Das BAUHAUS in Bukarest

in Kooperation mit der Architektenkammer Berlin

Donnerstag, 14. November 2019, 19.00 Uhr

Die Formensprache des BAUHAUS hat Architekten und Städtebauer auf der ganzen Welt geprägt. Durch die Einflüsse der 1919 in Weimar gegründeten „Hochschule für Gestaltung“ wurde auch Bukarest, das „Paris des Ostens“, in den 1920er Jahren sichtbar und faszinierend umgestaltet.
Viele rumänische Architekten hatten in Berlin, Paris oder Wien studiert und experimentierten mit den Ideen des „Bauhaus“ in der rumänischen Hauptstadt. BAUHAUS- Lehren trafen auf Gebäude mit den landestypischen Stilelementen: zahlreiche Bauten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind geprägt vom rumänischen Nationalstil mit italienisch-venezianischen und orientalischen Stilelementen; dazwischen finden sich Wohnhäuser, Villen und Nutzbauten in der typischen BAUHAUS-Architektur.
Diese in den 1920 und 30er Jahren gebauten Häuser wurden maßgeblich von drei rumänischen Architekten entworfen, die nach Aufenthalten in Westeuropa nach Bukarest zurückkehrten und hier die Architektur der mitteleuropäischen Moderne realisierten: Marcel Iancu, Horia Creangã und Duiliu Marcu.
Auch der kilometerlange Boulevard im Stadtzentrum, gesäumt von beeindruckenden Hotel-, Geschäfts- und Appartementhäusern beweist den Einfluss des BAUHAUS, der „Hochschule für Gestaltung“, die 1925 nach Dessau umziehen musste und 1933 in Berlin auf nationalsozialistischen Druck aufgelöst wurde. Neben bedeutenden rumänischen Architekten war es auch der 1933 aus Deutschland geflohene Berliner Architekt Rudolf Fränkel („Gartenstadt Atlantic” mit dem Kino Lichtburg/Berlin-Gesundbrunnen), der das Bild dieses Straßenzugs bestimmte.

Referent:
Arne Franke studierte in Frankfurt/Main Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Architekturgeschichte und Denkmalpflege. Nach 1989 in der Denkmalschutzbehörde in Görlitz tätig, ist er heute als freiberuflicher Autor, Studienreiseleiter und Ausstellungsmacher vorwiegend in Polen, Tschechien und Rumänien unterwegs.


Jour Fixe

Die Republik Moldau an der Nahtstelle zwischen Zentral-, Ost- und Südosteuropa

in Kooperation mit der Botschaft der Republik Moldau

Donnerstag, 24. Oktober 2019, 19.00 Uhr

Die Republik Moldau ist in Deutschland relativ unbekannt, obwohl das Land eine reiche Kultur und eine wechselvolle Geschichte aufzuweisen hat.* Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Republik wieder ein souveräner Staat, in dem in den folgenden Jahren die Interessen Russlands und der Europäischen Union aufeinander prallten. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Innenpolitik des Landes: Politiker, die mit Russland sympathisierten, konkurrierten mit denjenigen, die eine Annäherung an die Europäische Union befürworteten. Im Juni dieses Jahres kam es zu einer überraschenden Zusammenarbeit der beiden Seiten. Es gelang ihnen, den Oligarchen Plahotniuc zu vertreiben, der dabei war, sich staatliche Organe gefügig zu machen.

Am 20. Oktober 2019 finden in der Republik Moldau Wahlen statt, die für die weitere Orientierung des Landes im Spannungsfeld Ost-West von großer Bedeutung sind. Über das Ergebnis der Wahlen und ihre Bedeutung für den weiteren Weg der Republik Moldau wird der Botschaftssekretär Radu Chiveri berichten.

Referent:
Radu Chiveri hat Politikwissenschaften an der Universität Wien studiert. Nach seinem Studium, zwischen 2015 – 2016, war er bei der der Internationalen Atomenergiebehörde tätig. Im Mai 2017 hat er beim Ministerium für Außen und Europäische Integration der Republik Moldau angefangen und seit Dezember 2018 ist er Botschaftssekretär der Botschaft der Republik Moldau in Berlin.


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Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche in Berlin

in Kooperation mit der Rumänisch-Orthodoxen Kirchengemeinde „Die Heiligen Erzengel Mihail und Gavril“ Berlin e.V.

Mittwoch, 25. September 2019, 18.30 Uhr

Der Pfarrer wird über die Geschichte und die Entwicklung der rumänischen Kirche und ihrer Mitglieder in Berlin vortragen.

Weitere Informationen zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche Berlin


Jour Fixe

Rumänien vor den Präsidentschaftswahlen

Mittwoch, 4. September 2019, 19.00 Uhr

Im November finden in Rumänien Präsidentschaftswahlen statt. Wer sind die Herausforderer des Präsidenten Klaus Johannis? Wie beeinflusst der Fall „Alexandra“ die Wahlen am 10. November? Kann der quasi unbekannte Herausforderer Dan Barna den Sozialdemokraten die Show stehlen und als zweiter in die Stichwahl kommen? Über die politische Landschaft in Rumänien und den rasanten Aufstieg des bürgerlich-liberalen Antikorruption-Start-ups „Union zur Rettung Rumäniens“ (USR). Was bewegt (noch) die (protestierende) Zivilgesellschaft? Im Jahr 2020 stehen dann Lokal- und Parlamentswahlen an. Eine Prognose.

Referent:
Raimar Wagner ist seit 2014 Projektkoordinator der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) in Rumänien und der Republik Moldau und wird ab Mitte Oktober die Leitung des Teilprojekts übernehmen. Er stammt aus Siebenbürgen und war u.a. auch als Journalist, Dolmetscher und Unternehmer in der Tourismusbranche tätig. Zwischen 2004 und 2012 war er Stadtrat in Hermannstadt im Team des damaligen Bürgermeisters Klaus Johannis.


Jour Fixe

Rumänien – ein faszinierendes Land

Freitag, den 10. Mai 2019, 19.00 Uhr

Aline Kuley hat für den Fernsehsender SAT1 in der Reihe „Grenzenlos – die Welt entdecken“ einen Dokumentarfilm über Rumänien konzipiert – mit viel Herzblut. In dem 40-minütigen Film wird das Salzbergwerk bei Turda besucht, dann geht es in einen Bärenpark, nach Bukarest, zur Wassertalbahn, Kronstadt, Viscri und ins Bucegigebirge. Der Film macht deutlich, dass Aline Kuley von diesem Land fasziniert ist. Warum – darüber wird sie erzählen.

Referentin:
Aline Kuley arbeitet als Medien- und Kommunikationsexpertin und macht Video- und Fotodokumentationen. Sie ist 40 Jahre alt und lebt in Berlin.


Jour Fixe

Die Unerwünschten – Zur sozialen Lage prekärer RumänInnen in Berlin

Mittwoch, den 27. März 2019, 19.00 Uhr

Die Zuwanderung von Menschen aus Rumänien nach Deutschland wird oft in den Medien und von Politikern als „Armutszuwanderung“ dargestellt. Allerdings enthüllt dieses soziale Phänomen die komplexen Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Entwickelte kapitalistische Länder wie Deutschland haben Maßnahmen ergriffen, um ihre Systeme der sozialen Absicherung gegen nicht-qualifizierte ArbeiterInnen abzusperren. Viele davon landen in dem boomenden Niedriglohnsektor. Qualifizierte ArbeiterInnen, AkademikerInnen und ExpertInnen werden hingegen laut gerufen und in bestimmten Bereichen (z.B. Pflegebereich, Baubranche usw.) präferenziell angenommen.

Am Beispiel der sozialen Beratung von neuzugewandaerten RumänInnen in Berlin werden die verschiedenen sozialrechtlichen Ausschlüsse, ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse und Wohnsituationen von prekär lebenden UnionsbürgerInnen hierzulande dargestellt.

Referent:
Cătălin Buzoianu, M.A., hat Soziologie und Anthropologie an der Central European University in Budapest studiert. Seit 2017 arbeitet er als Sozialberater mit neuzugewanderten Familien aus Rumänien bei Kulturen im Kiez e.V. in Berlin.


Jour Fixe

Wirtschaftspartner Rumänien – Armenhaus oder Wachstumsmarkt?

Mittwoch, den 13. Februar 2019, 19.00 Uhr

Deutschland ist Rumäniens wichtigster Handelspartner. Rumänien rangiert inzwischen auf der Liste der wichtigsten Exportmärkte deutscher Firmen vor Mexiko und Indien auf Rang 21 der wichtigsten Handelspartner der Bundesrepublik. 7500 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung, vor allem Unternehmen der Kraftfahrzeugzulieferindustrie und des Einzelhandels, operieren vor Ort; in den vergangenen Jahren haben sie nach Angaben der deutschen Auslandshandelskammer in dem Land mehr als 250.000 neue Jobs geschaffen. Die rumänische Wirtschaft wächst schneller als die der EU-Partner, die Arbeitslosenrate liegt mit 4,3% unter der deutschen. Die Staatsverschuldung ist mit 35% des Bruttoinlandsprodukts halb so hoch wie die deutsche. Also alles gut?

Die „sozialdemokratische“ PSD hatte ihren Wählern kostspielige Wohltaten versprochen, die nun mit einer hohen Schuldenaufnahme finanziert werden, zumal die Regierung die Einkommensteuern gesenkt hat. Niedrige Steuern und Verlagerung der Sozialabgaben auf die Arbeitnehmer machen das Land für Investoren attraktiv, heftige innenpolitische Konflikte, Verhinderung der Korruptionsbekämpfung und Rechtsunsicherheit schrecken ausländische Unternehmen ab. Das Wirtschaftswachstum konzentriert sich auf den Nordwesten des Landes, im Osten und Süden beträgt das Bruttosozialprodukt pro Kopf nur die Hälfte dessen, was in Siebenbürgen und im Banat produziert wird.

Am 1. Januar 2019 übernahm Rumänien zwölf Jahre nach seinem Beitritt erstmals die EU-Ratspräsidentschaft. Seine Aufgabe ist, zwischen divergierenden Interessen der Mitgliedstaten zu vermitteln. Bei Verhandlungen zum neuen mehrjährigen Finanzrahmen der EU ist Rumänien als eines der Netto-Empfängerländer unmittelbar betroffen. Rumänien war aber bisher nicht in der Lage, in ausreichendem Umfang co-finanzierte Projektvorschläge vorzulegen, um die ihm zustehenden EU-Mittel abzurufen. Die innenpolitischen Konflikte und Kontroversen mit der EU-Kommission bei Rechts- und Haushaltsthemen sind hinderlich für einen Erfolg der Präsidentschaft.

Über die wirtschaftliche Lage Rumäniens, seine Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und Fragen der EU-Präsidentschaft wird Helge Tolksdorf berichten.

Referent:
Ministerialrat Helge Tolksdorf, leitet im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Referat „EU-Erweiterung, Südosteuropa und Türkei“.


Politische Kultur, Medien und Zivilgesellschaft in Rumänien

Wochenendtagung vom 8. bis 10. Februar 2019

in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen

Im Januar 2019 übernimmt Rumänien erstmalig und turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft. Im Mai ist ein EU-Gipfel der Regierungschefs in Hermannstadt geplant. Das Land ist nunmehr seit 12 Jahren Mitglied der EU. Seit der Jahrtausendwende wurden ernsthafte Anstrengungen unternommen, um der Union beizutreten. Einige westliche Staaten meinten dieser Beitritt sei verfrüht gewesen, da mit dem Beitritt die Anstrengungen bezüglich europäischer rechtsstaatlicher Standards nachgelassen hätten und verweigern bislang den Beitritt zum Schengen-Raum, um ein letztes Druckmittel auf die politischen Akteure aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe der EU sind zahlreiche Infrastrukturporojekte in die Wege geleitet und das Land modernisiert worden. Jedoch werden die Fördermöglichkeiten nur unzureichend ausgeschöpft. Die Wirtschaft boomt. Bei den Parlamentswahlen vor gut zwei Jahren wurde eine Koalitionsregierung durch die PSD und ALDE – dem Namen nach sozialdemokratische bzw. liberale Parteien – gebildet, die bislang über ausreichend Parlamentsmandate verfügen. Die beiden Vorsitzenden dieser Partei konnten keine Regierungsämter übernehmen, da sie vorbestraft sind und weitere Gerichtsverfahren gegen sie laufen, stehen jedoch den beiden Parlamentskammern – Senat und dem Abgeordnetenhaus – vor. Es gab und gibt trotz üppiger Parlamentsmehrheiten mehrere Regierungsumbildungen und vor allem Bestrebungen Strafverfolgungen in eigener Sache zu erschweren und ganz zu verhindern. Dabei entspannte sich ein heftiger politischer Kampf zwischen den Regierungsparteien und den sie tragenden Personen und dem Präsidenten Klaus Johannis. Einbezogen sind die Staatsanwaltschaften, die Antikorruptionsbehörde, deren international hoch angesehene Leiterin Laura Codruta Kövesi 2018 aus dem Amt entfernt wurde sowie die Justiz, die umgebaut bzw. dem Regierungseinfluss unterstellt werden soll. Die Venedig-Kommission der EU lehnt die sogenannte Justizreform ab. Aber hat sie Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Rumänien? Es gibt zudem Angriffe auf und Verleumdungen der deutschen Minderheit in Rumänien seitens führender rumänischer Politiker der PSD und ihres Umfeldes und Versuche den deutschen Staatspräsidenten sowie das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien als Minderheitenvertretung zu diskreditieren. Rumänien ist in Gefahr unter die Räuber zu fallen. Dennoch gibt es positive Anzeichen seitens der rumänischen Zivilgesellschaft. Nachdem Rumänien einen Bevölkerungsverlust von rund drei Millio-nen Menschen seit 1990 zu verzeichnen hat, darunter auch die besser ausgebildeten und jüngeren Menschen, formiert sich eine neue Gesellschaft, die ihr Heil nicht in der Auswanderung sondern im eigenen Lande erhofft. Die Zivilgesellschaft organisiert sich und artikuliert sich auf breiter Basis. Auch die rumänischen Emigranten, die im Sommer 2018 die Heimat besuchten, protestierten gegen die Machenschaften der Regierenden. Ihre Demonstration wurde jedoch grundlos und unverhältnismäßig zusammengeknüppelt.

Als Referenten konnten gewonnen werden: Katharina Kilzer (Frankfurt/M.): „Wozu Dichter in dürftiger Zeit“. Politische Texte von Ana Blandiana, Dichterin und Leitfigur der Zivilgesellschaft; Siegfried Mureşean MdEP (Deva/Straßburg/Brüssel): Demokratie, Rechtsstatlickeit in Rumänien aus europäischer Perspektive; Roger Pârvu (Hermannstadt): „Alle Menschen haben Furcht…“ Der Kampf um den Rechtsstaat in Rumänien; Raimar Wagner (Hermannstadt): Von einzelner Unmut zur koordinierten Protestbewegung. Cătălin und Diana Mureșan (Hermannstadt): Die Erneuerung der politischen Klasse Rumäniens; Dan Caramidariu (Temeswar): Die Medienlandschaft Rumäni-ens Hans Hedrich (Schäßburg): Umweltzerstörung und ziviler Protest und Widerstand.

Die Tagung beginnt am Freitagabend um 18 Uhr mit dem gemeinsamen Abendessen und ist am folgenden Sonntag nach dem Mittagessen zu Ende. Die Teilnahme kostet für Teilnehmer aus der Bundesrepublik 60 € zuzüglich Kurtaxe (3,80 €) und ggf. EZ-Zuschlag (24 € für den gesamten Zeitraum) und beinhaltet Unterkunft und Verpflegung. Für Teilnehmer aus Rumänien gelten Sonderpreise und es können Reisekostenbeihilfen gewährt werden. Bitte melden Sie sich umgehend, spätestens bis zum1. Februar 2019, an. Anmeldungen und Anfragen sind ab sofort möglich an: „Der Heiligenhof“, Alte Euerdorfer Straße 1, 97688 Bad Kissingen, Fax: 0971/714 747 oder per Mail info@heiligenhof.de an.


Jour Fixe

Rumäniens EU-Ratspräsidentschaft in bewegten Zeiten: Große Herausforderungen, hausgemachte Probleme

Donnerstag, den 24. Januar 2019, 19.00 Uhr

Zum 1. Januar 2019 übernimmt Rumänien zwölf Jahre nach seinem Beitritt erstmals die EU-Ratspräsidentschaft. Es warten große Aufgaben auf das nach Polen zweitgrößte Land der großen Erweiterungswelle 2004/07: Neben dem Ende März anstehenden „Brexit“ und den Europawahlen im Mai/Juni 2019 mit dem Ende des Mandats der Juncker-Kommission sind dies in erster Linie die Verhandlungen zum neuen mehrjährigen Finanzrahmen der EU, von denen Rumänien als eines der Netto-Empfängerländer unmittelbar betroffen ist. Hinzu kommen die weiterhin offenen Fragen im Bereich der Migrations- und Flüchtlingspolitik, sowie des institutionellen Umbaus der Eurozone und des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM. Selbst für eines der großen (Gründungs-)Mitgliedsländer wären das genügend Herausforderungen, ungleich größere sind es aber für ein Land, das nicht über vergleichbare administrative Ressourcen und Vorerfahrungen verfügt.

Hinzu kommen hausgemachte Probleme innerhalb des Landes, das zuletzt negative Schlagzeilen produzierte durch den Versuch der Regierungspartei PSD, im Interesse ihres Parteivorsitzenden Liviu Dragnea die Strafverfolgung von Korruptionsdelikten zu erschweren. Auch nach fast 30 Jahren Transformation ist es offensichtlich, dass die wichtigsten demokratischen Institutionen des Landes für persönlich motivierte Machtkämpfe instrumentalisiert werden. Diese Entwicklungen sind Anzeichen dafür, dass Rumänien immer noch vor der Herausforderung steht, die „checks and balances“ in seinem demokratischen System sicherzustellen.

Referent:
Stephan Meuser leitet seit Mai 2016 die Bukarester Repräsentanz der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) für Rumänien und Moldau. Zuvor war er u.a. während des Majdans Leiter des FES-Büros in Kiew. Er studierte Politikwissenschaften und Rechtswissenschaften in Bonn und Paris.


„Jour Fixe“ – 12. Dezember 2018, um 19.00 Uhr

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Dahmen: Im Zeichen des 1. Weltkrieges: Deutsch-Rumänische Sprach- und Kulturkontakte am Beginn des 20. Jahrhunderts

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

Bitte bestätigen Sie Ihre Teilnahme bis zum 8. Dezember 2018: g.koepernik@yahoo.de oder Tel. 030-30 12 72 42.

Seit dem 19. Jahrhundert sind sich die rumänischen Intellektuellen darüber einig, dass in Fragen der Kultur-und Sprachentwicklung eine Ausrichtung auf mitteleuropäische Vorbilder zu geschehen habe. Dabei wird eine intensive Diskussion darüber geführt, ob man sich eher an Leitbildern aus der romanischsprachigen Welt, vor allem Frankreich, oder aus der germanophonen Einflusssphäre orientieren solle. Für ersteres spricht vor allem die sprachliche Verwandtschaft, für letzteres eine traditionell große Bewunderung deutscher Kultur gerade bei Rumänen aus Siebenbürgen, aber auch aus der Moldau und Walachei, die vielfach ihr Studium an Universitäten in Deutschland oder in Wien absolviert hatten. Diese Diskussionen bekommen eine besondere Dimension, als sich Rumänien im Ersten Weltkrieg nach anfänglicher Neutralität entscheiden muss, ob das Land auf Seiten der Mittelmächte oder der Entente in den Krieg zieht. Welche Auswirkungen dies für die deutsch-rumänischen Sprach-und Kulturkontakte hatte, soll an einigen Beispielen gezeigt werden. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Rumänistik, also der Disziplin, die sich mit der rumänischen Sprache und Literatur beschäftigt, in den deutschsprachigen Gebieten gelegt.

Prof. Wolfgang Dahmen (geb. 1950) war von1995-2016 Professorfür Rumänische Sprach-und Literaturwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, von 2005-2008 Dekan der Philosophischen Fakultät.Er hat zahlreiche sprachwissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und ist in mehreren wissenschaftlichen Organisationen aktiv. Ergehört u.a. dem Beirat der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft an.


„Jour Fixe“ – 17. Oktober 2018, um 18.30 Uhr

Janka Vogel (Berlin): „Die rumänische Diaspora in Berlin“

Moderation: Dr. Raluca M. Fritzsch (DRG)

In Berlin leben seit über 150 Jahren Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen Rumäniens. Diese Gruppe, die rumänische Diaspora, ist heute heterogener denn je. Und sie wächst weiter; allein zwischen 2010 und 2016 hat sich die Zahl rumänienstämmiger Menschen in Berlin fast verfünffacht.

Die Referentin hat im Rahmen ihrer Master-Arbeit untersucht, wie Menschen aus Rumänien in Berlin leben. Sie erkundete die Orte dieser Diaspora und deckte ihre vielfältige Geschichte in dieser Stadt auf. Dass die heutige rumänische Diaspora in Berlin eine neue Form migrantischen Lebens ist, wird anhand von Ergebnissen einer Umfrage zur sozialen Situation der MigrantInnen, ihrer Integration in Berlin und ihrer Beziehung zum Herkunftsland Rumänien dargestellt. Mit einem kritischen Blick auf die rumänische Diaspora-Politik eröffnet sich die Frage, ob die Diaspora den dringend nötigen politischen Wandel in Rumänien selbst in die Hand nehmen wird. Auch von Berlin aus.

Janka Vogel (geb. 1988) hat in Marburg, Sibiu / Hermannstadt (Rumänien) und Jena Erziehungswissenschaft und Südosteuropastudien mit Schwerpunkt Rumänien studiert. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Geschichte und Politik Rumäniens, Minderheiten in Rumänien, Antiziganismus, Europa, Migration und Diaspora sowie Sozialarbeitswissenschaft. Sie war wiss. Hilfskraft am Institut für Romanistik an der Universität Jena und arbeitet derzeit als Sozialarbeiterin.


„Jour Fixe“ – 05. September 2018, um 18.00 Uhr

Dr. Cristian Ionus (Berlin): Informationsabend: Deutsch-rumänische Polizeiarbeit am Beispiel Berlin

Moderation: Dr. Gerhard Köpernik (DRG)

Berlin ist die größte und durch Kriminalität am meisten belastete Stadt Deutschlands. Durch ihr Überangebot an unterschiedlichen Möglichkeiten übt sie eine magische Anziehungskraft auf Straftäter aus – auch auf rumänische. In den Bereichen Laden-, Taschen- und Trickdiebstahl sowie beim aggressiven Betteln, also insbesondere bei Eigentumsdelikten, sind Rumänen besonders aktiv. Was kann man dagegen tun, wie reagieren? Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit gibt es auf internationaler Ebene? Das sind Fragen, auf die Cristian Ionus, Attaché für Innere Angelegenheiten der rumänischen Botschaft in Berlin, eingehen will. Er wird uns Einblicke in die Zusammenarbeit der Berliner und rumänischen Polizei geben.

Dabei sollen auch konkrete Antworten gegeben werden: Zwei uniformierte rumänische Polizeibeamte, die im Rahmen der schon ab 2013 laufenden Kooperation zwischen der Berliner und rumänischen Polizei auf Streife vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor gehen, werden aus ihrer Praxis berichten.

Cristian Ionus wurde in der Polizeiakademie in Bukarest Ende der 90-iger Jahre zum Polizeibeamten ausgebildet. Seit 2013 arbeitet er in Berlin als Attaché für Innere Angelegenheiten in der Botschaft von Rumänien. Zu seinen Haupttätigkeiten gehört die Entwicklung der operativen Zusammenarbeit der rumänischen Polizei mit den deutschen Behörden, speziell in den durch rumänische Täter auffallenden Kriminalitätsfeldern.


Jour Fixe – 30. Mai 2018, um 19.00 Uhr

Mona Vintilă (Berlin): Sozialarbeit und rumänische Roma in Berlin: Geschichten aus dem Leben einer Sozialarbeiterin

Moderation: Dr. Raluca M. Fritzsch (DRG)

Ein erheblicher Teil der rumänischen Diaspora in Berlin gehört der Roma-Minderheit an. Um sich in der hiesigen Gesellschaft orientieren zu können, nehmen die meisten dieser Familien die soziale Beratung verschiedener Träger in Anspruch, beziehungsweise sind darauf angewiesen. Aus dieser Arbeit erlangen wir neue Erkenntnisse über die aktuelle Lage der rumänischen Roma in Berlin als auch über ihre sozio-kulturellen Eigenheiten.

Doch wie sieht „Integrationsarbeit“ aus der Sicht eines Sozialarbeiters aus? Was sind die Herausforderungen in diesem Beruf bzgl. der Arbeit mit Familien und Behörden? Welche Erfolge und Misserfolge kann es geben und wie geht ein Sozialarbeiter damit um? Wie wichtig ist dass ein Sozialarbeiter Romanes spricht?

Im Rahmen eines Jour Fixes haben wir uns vorgenommen diesen und weiteren Fragen nachzugehen, aus der Perspektive einer Sozialarbeiterin, die seit sechs Jahren mit rumänischen Roma-Familien in Berlin arbeitet. Sie wird ihren subjektiven, intimen Blick darauf werfen und die Fragen anhand verschiedener Fallbespielen aus der Praxis erläutern.

Mona Vintilă, Diplom-Sozialwissenschaftlerin, ist 1983 in Cisnădie, Rumänien geboren. Sie hat Politikwissenschaften, Europa-Studien und Kommunikationswissenschaften in Cluj-Napoca und Münster studiert. Seit 2012 ist sie als Sozialarbeiterin in einem Berliner Verein tätig. Sie hat außerdem in verschiedenen pädagogischen Kulturprojekten mitgewirkt und ist politische Trainerin für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Seit 2009 ist sie Mitglied im Vorstand der DRG.


Jour Fixe – 18. April 2018, um 17.00 Uhr

Robert C. Schwartz (Deutsche Welle): Rumänien – die aktuelle politische Entwicklung 12 Jahre nach der EU-Beitrit

im Hauptstadtstudio der Deutsche Welle in der Voltastraß 6, 13355-Berlin

Hinweis: aus Platzgründen ist eine Anmeldung per Email (drg.raluca.fritzsch@gmail.com) erforderlich !!!

Moderation: Dr. Raluca M. Fritzsch (DRG)

Wir beginnen um 17 Uhr mit der Führung durch das DW-Medienunternehmen mit einem Einblick in die Geschichte, Profil und Programmauftrag der DW, aber auch in die Architektur und Geschichte des Hauses.

Anschließend möchten wir mit Robert Schwartz auf die zurückliegenden 12 Jahre der Mitgliedschaft Rumäniens in der EU zurückblicken und aktuelle Probleme der Rumänischen Politik diskutieren:
Immer schon sucht Rumänien seine Identität zwischen Orient und Okzident. Das Land hat oft von „Europa“ geträumt, ein Traum, der im Jahr 2007 mit dem Beitritt zur EU anscheinend verwirklicht wurde und bei der Mehrheit der Rumänen große Erwartungen und Hoffnungen weckte. Viel ist auf dem Weg zu einer stabilen Demokratie seither erreicht worden, doch vieles liegt noch im Argen. Das Land wird immer wieder durch instabile und sehr gefährliche politische Situationen erschüttert.

Robert C. Schwartz ist seit 2002 Leiter der Rumänien-Redaktion der Deutschen Welle. Er wurde 1956 in Hermannstadt/Sibiu, Rumänien, geboren. Nach dem Studium der Germanistik an der Universität Bukarest arbeitete er als Lehrer am Deutschen Gymnasium in der rumänischen Hauptstadt, dessen Direktor er nach dem Sturz Ceaușescus wurde. 1990 war er Vertreter der deutschen Minderheit im ersten provisorischen Parlament Rumäniens nach der politischen Wende von 1989/90. Seit 1992 arbeitet Schwartz für den deutschen Auslandsrundfunk.

Schwartz ist Mitglied der Südosteuropa-Gesellschaft und sitzt im Vorstand des Deutsch-Rumänischen Forums. Er ist Träger des rumänischen Ordens für Kulturelle Verdienste im Rang eines Kommandeurs.


„Jour Fixe“ – 10. März 2018, um 19.00 Uhr

**Ruth Istvan, Stefan Bichler, Sebastian Bethge (Stiftung Kirchenburgen): Wer schützt die Schutzburgen? Die Situation der Denkmalpflege an den siebenbürgischen Kirchenburgen

Der Zustand der siebenbürgischen Kirchenburgen ist von Ort zu Ort sehr verschieden. Während einige sich nach durchgeführten Instandsetzungen in einem sehr guten bis guten Zustand befinden, findet man an anderen unterschiedlich starke Verfallsspuren, die in letzter Konsequenz die Substanz des Bauwerkes insgesamt bedrohen. Der Erhalt der Kirchenburgen wird nicht mehr nur durch eine oftmals geringfügige bis gar nicht mehr vorhandene Nutzung bedroht, sondern in zunehmendem Maße auch durch gut gemeinte, aber fachlich falsch durchgeführte Reparaturen.

Stiftung Kirchenburgen
Die Stiftung Kirchenburgen wurde im Herbst 2015 durch die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien als Fachinstitution für den Erhalt des kirchlichen Kulturerbes gegründet. Sie ist eine Stiftung nach rumänischem Recht mit Sitz in Hermannstadt und steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und des rumänischen Staatspräsidenten Klaus Werner Johannis. Der Gründung ging eine mehrjährige Konzeptionsphase voraus.

Der Wirkungsbereich der Stiftungsarbeit geht weit über den baulich-konservatorischen Bereich hinaus und umfasst auch die konzeptionelle Arbeit und Strategieentwicklung sowie Fundraising, Management von Kultur- und Fachveranstaltungen, Bildungsarbeit, Tourismusförderung und Öffentlichkeitsarbeit. In diesen Feldern werden schrittweise Aktivitäten entwickelt.

Die Arbeit der Stiftung Kirchenburgen baut auf das knapp zehnjährige Wirken des Projektbüros Leitstelle Kirchenburgen auf und entwickelt dieses entscheidend weiter.

Ruth Istvan, geboren in Broos/Orastie, 1984 aus Rumänien ausgewandert, Tourismusstudium in Heidelberg, Auslandsaufenthalte und berufliche Tätigkeit in Südamerika, seit 2014 als Referentin für Fachtourismus und Öffentlichkeitsarbeit in der Stiftung Kirchenburgen.

Stefan Bichler, geboren 1977 in Österreich, lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Hermannstadt, Tätigkeiten im Bereich PR, Politikberatung und Journalismus, seit 2013 Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Ev. Kirche A. B. in Rumänien.

Sebastian Bethge, geboren 1975 in Berlin, gelernter Tischler, seit 15 Jahren Burghüter in Trappold/Siebenbürgen, 10 Jahre Selbständigkeit mit kleiner Handwerksfirma im Bereich Restaurierung, seit 2015 Beauftragter für Bau- und Denkmalpflege der Stiftung Kirchenburgen


„Jour Fixe“ – 28. Februar 2018, um 19.00 Uhr

Ernest Wichner (Berlin): Die rumänische Bibliothek – ein Überblick über die aktuelle Literaturszene

Ernest Wichner, Schriftsteller, Übersetzer und bis Ende 2017 Leiter des Literaturhauses Berlin, führt in die rumänische Literatur der Gegenwart ein.


„Jour Fixe“ – 29. Januar 2018, um 19.00 Uhr

Vincent Rastädter (Oldenburg): Die Doina: eine Einführung in den lyrischen Gesang Rumäniens

in Kooperation mt der Kunst Kooperative Berlin

Vortrag über das Genre „Doina“ mit Musikbeispielen –

Moderation: Hermine Untch (DRG)

Was ist die Doina? Klage- und Trauerlied; Gattung der traditionellen rumänischen Musik; Gesamtheit aller langsamen und melancholischen Stücke in der Musik Rumäniens – oder gar Sinnbild für die rumänische Folklore überhaupt? Die Zuschreibungen sind vielfältig. Fest steht, dass die Doina in Rumänien eine sehr lange Tradition hat, in zahlreichen Regionen des Landes und in der Republik Moldau präsent ist und zum Sinnbild, zum „Meridian der rumänischen Folklore“ (Dumitru Caracostea) geworden ist. In vielen Regionen Rumäniens ist die Doina in ihrer vokalen Form nach wie vor verbreitet; darüber hinaus existieren, vor allem in den Karpaten, instrumentale Versionen – jeweils in einer Vielzahl regionaler Varianten.

Welche Bedeutung hat die Doina? Sie hat den rumänischen Geiger und Komponisten George Enescu und dessen berühmtesten Schüler Yehudi Menuhin inspiriert, Béla Bartók hat sie im Nordwesten Rumäniens wissenschaftlich erforscht und bereits der Universalgelehrte Dimitrie Cantemir erwähnte sie 1716 in seinem Werk „Descriptio Moldaviae“. Nicht zuletzt wurde die zentrale Rolle, die die Doina in der rumänischen Kultur(-geschichte) spielt, durch die Aufnahme der Gattung in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO im Jahr 2009 besonders hervorgehoben.

In seinem Buch „Die Doina. Eine Einführung in den lyrischen Gesang Rumäniens“ spürt Vincent Rastädter dem Phänomen Doina im Kontext der rumänischen Musik nach und beschreibt die Entwicklungen des Genres von den nicht eindeutig festzustellenden Anfängen bis in die Gegenwart

Vincent Rastädter promoviert am Institut für Musik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Seine von der rumänischen Komponistin Violeta Dinescu betreute Magisterarbeit erschien 2015 unter dem Titel „Die Doina. Eine Einführung in den lyrischen Gesang Rumäniens“ als Band 2 der Schriftenreihe „Archiv für osteuropäische Musik. Quellen und Forschungen“, herausgegeben von Violeta Dinescu und Eva-Maria Houben, im BIS-Verlag der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.


Jour Fixe – 22. November 2017, um 19.00 Uhr

Paula Schneider (Leipzig): Als „Stadtschreiberin“ 2017 in Brașov / Kronstadt

„Diese Orte sind nicht nur schön, sondern haben auch etwas zu erzählen“

Ein literarischer Abend mit Texten und Fotos aus der Zeit in Rumänien

Moderation: Hermine Untch (DRG)

Von Mai bis Oktober 2017 lebte die Leipziger Schriftstellerin Paula Schneider als „Stadtschreiberin“ in Kronstadt/Brasov, in einer Gegend, die ihr aus früheren Aufenthalten nicht ganz unbekannt war. Und doch staunte sie am Ende ihrer Zeit in Rumänien immer noch: “Besonders viel Platz aber hat der Himmel genau hier: im Rendezvousgebiet von Süd- und Ostkarpaten, in Siebenbürgen, dem Burzenland, in Kronstadt.“
Den fünfmonatigen Aufenthalt ermöglichte das „Deutsche Kulturforum östliches Europa“.

Zum 9. Mal wurde das Stadtschreiber-Stipendium für eine Stadt in Osteuropa ausgeschrieben – in diesem Jahr also Kronstadt – mit dem Ziel, „das gemeinsame kulturelle Erbe der Deutschen …in jenen Regionen..in denen Deutsche gelebt haben und heute noch leben… einer breiten Öffentlichkeit bekannt“ zu machen. Wie sie diesen Auftrag des Kulturforums umsetzen würde, blieb der Kreativität und der Schöpfungsphantasie der Schriftstellerin völlig überlassen.

Paula Schneider führte ein Internet-Tagebuch und berichtete als Bloggerin über ihre Begegnungen, Erlebnisse und Erfahrungen. Der Verkehrspolizist an der Ecke, ein kesser Spruch auf einer Mauer, EU-Fahnen auf dem Marktplatz, Regenschirme und Sonnenhüte: Was auch immer sie faszinierte, – und das war fast alles – notierte und dokumentierte sie in nachdenklichen Texten und poetischen Fotos. Eine Auswahl wird sie uns heute präsentieren.

Paula Schneider, geb.in Leipzig, Kindheit in Berlin, 2003 Diplom am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Verschiedene Stipendien (u.a. Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste). Seit 2007 regelmäßig Radiofeatures und Hörspiele. Mehrfache Auszeichnung dieser Arbeiten (u.a. mit dem Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung). Ein thematischer Schwerpunkt der Autorin ist das östliche Europa (so z.B. in den künstlerischen Deutschlandfunk-Features „Dewotschka und toter Mann“ sowie „Totleben. Eine russische Insel, die es nicht gibt“, oder in der Reportage „Wunderwetter im Karpatenknick“ für das Magazin Theater der Zeit). Im Rowohlt –Verlag erschien 2016 ihr Roman „Bleib bei mir, denn es will Abend werden. Die Geschichte einer langen Liebe“.


Jour Fixe – 23. Oktober 2017, um 19.00 Uhr

Dr. Esther Quicker (Köln): Zwischen Zuneigung und elitärem Rassismus: Eine Studie über das gespaltene Bild der Roma in Rumänien

Vortrag und Diskussion

Etwa jeder zehnte Rumäne gehört zu einer Minderheit. In dem Land mit nur 20 Millionen Einwohnern leben 19 verschiedene Ethnien mit eigenen Traditionen, rund zehn verschiedenen Muttersprachen, 16 Religionsgemeinschaften. Die ca. zwei Millionen Roma bilden die größte autochtone Minderheit Rumäniens. Ihnen wird seit den 1990er Jahren, so Esther Quicker, die Rolle eines „nationalen Feindbildes“ zugewiesen. Die Idee einer biologischen, physischen, intellektuellen Unterlegenheit der „Zigeuner“ sei vor allem in wohlhabenden und akademischen Kreisen verbreitet.
Welche Einstellung sich in den Köpfen von Jugendlichen festgesetzt hat, wird erstmals in der groß angelegten Studie untersucht, die auch eine anonyme Befragung von über 500 Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Das Ergebnis in Kürze: fast die Hälfte der Jugendlichen (48 %) zeichnet ein ausgeprägt negatives Bild; auf der anderen Seite haben neun Prozent eine neutrale und 18 Prozent eine positive Einstellung.
Welches sind die Wurzeln, Gründe und Funktionen der Ablehnung, die zu der Migration vieler Roma u.a. nach Deutschland geführt haben? Wann und unter welchen Bedingungen kam es im Laufe der rumänischen Geschichte zu einer positiveren Sicht?

Dr. Esther Quicker, Romanistin, Soziolinguistin, Beteiligung an Projekten zur Dorfentwicklung und Inklusion der Roma-Bevölkerung, Mitglied im internationalen Graduiertenkollegs Jena „Kulturelle Orientierungen und gesellschaftliche Ordnungsstrukturen in Südosteuropa“, DFG- Forschungsstipendium für empirische Untersuchungen über Einstellungen zu den Roma in der rumänischen Gesellschaft, in Köln Integrationskurse für rumänische Migranten, Arbeitsgruppe Migration und Integration der AWO, gerichtlich zugelassene Übersetzerin für Rumänisch (OLG Köln)


Jour Fixe – 20. September 2017, um 19.00 Uhr

Dr. Tobias Rüttershoff (Berlin): Die Republik Moldau – Zur politischen Lage in einem unruhigen und zerrissenen Land

Vortrag und Diskussion

Geographisch, ethnisch wie politisch ist die rumänisch („moldauisch“) sprechende Republik Moldau ein zerrissenes Land: Die Erklärung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahr 1991 beendete keineswegs die Konflikte zwischen der Zentralregierung in Chișinău und den von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten. Vor allem in Gaugasien und Transnistrien forderte man Unabhängigkeit. Ab 1992 eskalierte die Situation in Transnistrien. Gewaltsame Auseinandersetzungen mit über 1000 Toten wurden durch die dort stationierte russische Armee beendet.
Jetzt herrscht ein „frozen conflict“: eine de-facto-Unabhängigkeit dieses moldauischen Landesteils unter quasi russischer Führung. Die Region Gaugasien konnte 1994 friedlich wieder in die Republik Moldau eingegliedert werden, nachdem ein Autonomieabkommen ausgehandelt worden war.
Politisch ist das Land gespalten zwischen pro-europäisch denkenden und planenden Bürgern, von denen viele eine Wiedervereinigung mit Rumänien wünschen, und Anhängern eines pro-russischen Kurses. Bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2016 siegte der pro-russische Kandidat Igor Dodon. Dass seine pro-europäische Konkurrentin Maia Sandu nur knapp unterlag, kann auf die Wahlbeteiligung der rund 140.000 moldauischen Wähler im Ausland zurückgeführt werden. Nach einer UN-Studie verlassen täglich 106 Menschen das vor allem im Justizwesen korrupte Land.

Dr. Tobias Rüttershoff, seit dem 1. April 2017 als Länderreferent Ostmitteleuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) u.a. auch für Rumänien und die Republik Moldau zuständig. Studium der Politikwissenschaften, Öffentliches Recht, Internationale Beziehungen an den Universitäten Mannheim, Maastricht (NL), Sheffield (GB), Promotion Universität Exeter (GB) über US-amerikanische Sicherheitspolitik

17.30 Uhr, ebenfalls im Leonhardt: Vorbereitungs-Treffen der Teilnehmer der DRG- Studienreise in die Republik Moldau (1. bis 12. Oktober). Reiseleiter Christof Kaiser, im DRG- Vorstand für Studienreisen zuständig, führt in das Thema ein und erläutert alle praktischen Fragen


Themenabend – 7. Juni 2017, 17.30–20.30 Uhr

DIE HOHENZOLLERN IN RUMÄNIEN (1866 –1947)

in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

Ort: im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

Eine Anmeldung unter deutsches@kulturforum.info (Tel. 0331 – 20098 0) ist erwünscht.

Vor siebzig Jahren wurde König Mihai I. von den kommunistischen Machthabern zur Abdankung gezwungen. Damit endete die rumänische Erbmonarchie, die 1866 durch Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, ab 1881 König Carol I., in einem noch vom Osmanischen Reich abhängigen Fürstentum begründet worden war. Mit der Übernahme des rumänischen Throns durch einen süddeutschen Prinzen profitierte Rumänien in vielerlei Hinsicht von der Einbindung in das monarchische Beziehungs- und Kommunikationsgeflecht Europas. Die Monarchie stand vor der Herausforderung, eine Integration in den Westen bei gleichzeitiger Wahrung und Stärkung der nationalen Identität anzustreben. Diese Aufgabe bewältigten die vier rumänischen Könige höchst unterschiedlich.
Zehn Jahre nach dem Beitritt zur EU diskutieren vier Experten über die Frage, wie die Aufnahme Rumäniens in das System der europäischen Mächte des 19. Jahrhunderts
das Land beeinflusst hat, bis heute prägt und eine besondere Beziehungsgeschichte zwischen Rumänien und Deutschland begründete.

Programm

17.30–17.40 Uhr • Begrüßung
Claudiu Florian, stellv. Leiter des Rumänischen Kulturinstituts (Berlin)
Dr. Gerhard Köpernik, Präsident der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft (Berlin)
Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa (Potsdam)

17.40–18.40 Uhr • Einführende Kurzreferate
Dr. Dr. Gerald Volkmer (Oldenburg): Das Königshaus und Rumänien 1866–1918. Der Westen am Bukarester Hof – Europäische Integration durch dynastische Netzwerke
Dr. Edda Binder-Iijima (Göttingen): Das Königshaus und Rumänien 1918–1947. Dynastische und politische Krisen zwischen Demokratie und Autoritarismus
Dr. Anneli Ute Gabanyi (Berlin): Das Königshaus und Rumänien 1947–2017. Abschaffung der Monarchie – neue Rolle für das Königshaus

18.40–19.00 Uhr • Pause

19.00–19.30 Uhr • Lichtbildervortrag
Dr. Silvia Irina Zimmermann (Mannheim): Rumänien ein Gesicht geben. Die Königinnen Elisabeta und Maria als Botschafterinnen für das Königreich
19.30–20.30 Uhr • Podiumsdiskussion mit den Referenten

Moderation: Marianne Theil

Dr. Edda Binder-Iijima, geb. in Northeim bei Göttingen, Studium der Ost- und Südosteuropäischen Geschichte, Mittleren und Neueren Geschichte, Slawistik und Rumänistik,
seit 2006 Lehrbeauftragte für Südosteuropäische Geschichte an der Universität Heidelberg, Forschungsschwerpunkt mit Veröffentlichungen zur Monarchie, Institutionen- und Verfassungsgeschichte Rumäniens und Südosteuropas, Mitherausgeberin des Bandes Die
Hohenzollern in Rumänien und der Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva.

Dr. Anneli Ute Gabanyi, geb. in Bukarest, Studium der Anglistik, Romanistik und Politikwissenschaft, wiss. Mitarbeiterin und Leiterin der rumänischen Abteilung am Forschungsinstitut von Radio Free Europe in München, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Südost-Instituts in München und der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, zahlreiche Veröffentlichungen zur neuesten Geschichte und Gegenwart Rumäniens und der Republik
Moldau, Mitglied des Königlichen Rates.

Dr. Dr. Gerald Volkmer, geb. in Kronstadt/Brașov, Studium der Rechtswissenschaft, Mittleren und Neueren sowie Osteuropäischen Geschichte, wiss. Mitarbeiter bzw. stellv. Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. an der Ludwig-Maximilians-
Universität München, stellv. Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa an der Universität Oldenburg, Mitherausgeber des Bandes Die Hohenzollern in Rumänien.

Dr. Silvia Irina Zimmermann, geb. in Hermannstadt/Sibiu, Studium der Literaturwissenschaft, Anglistik, Kunstgeschichte und Soziologie; Übersetzerin, Initiatorin, Mitbegründerin und Leiterin der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs; zahlreiche Veröffentlichungen zur Person und Bedeutung der ersten rumänischen Königin, Königin Elisabeth, Mitherausgeberin der Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva.

Marianne Theil, geb. in Bukarest, Studium der Wirtschaftswissenschaften,
Journalistin, Ex-Korrespondentin WDR/ARD (Hörfunk) in Brüssel, Washington D.C., Hauptstadtstudio Berlin, Vorstandsmitglied der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft Berlin.


Jour Fixe – 24. Mai 2017, um 19.00 Uhr

Diana Rus, Ioana Dragoș, Monica Bota Moisin (Berlin): Die rumänische „Diaspora Civica Berlin“ – Junge RumänInnen in Berlin proben den Aufstand

Moderation: Mona Vintila (DRG)

Vortrag und Diskussion

Nicht nur in Bukarest und in den großen Städten Rumäniens protestierten wochenlang Tausende gegen die Eilverordnung der Regierung, mit der die Anti-Korruptionsgesetze verwässert werden sollten. Auch vor der rumänischen Botschaft in Berlin und am Brandenburger Tor versammelten sich im Februar aufgebrachte Rumäninnen und Rumänen. Ihre auf Deutsch verfassten Plakate (z.B.„Rumänien sagt Nein zur Korruption“), richteten sich auch an die deutsche Öffentlichkeit, um Solidarität mit den Demonstranten in der Heimat zu zeigen. Die Protestaktion vom 25. Februar 2017 war die Geburtsstunde der „Diaspora Civica Berlin“, eine Gruppierung überwiegend junger, in Berlin lebender RumänInnen.
Von Berlin aus wollen sie sich durch politisches und kulturelles Engagement an der künftigen Gestaltung der rumänischen Gesellschaft beteiligen. „Wir tragen Verantwortung für die Gemeinschaft in Rumänien und wir wollen diese im Kontakt mit der rumänischen Diasporain Berlin wahrnehmen…Lasst uns gemeinsam Widerstand leisten!“ Wie können die vielen Berliner Rumäninnen und Rumänen für politisches Engagement interessiert werden, wie könnten von Berlin aus die Geschehnisse in Rumänien beeinflusst werden?

Drei junge Rumäninnen aus der „Diaspora Civica Berlin“ stehen Rede und Antwort!


Jour Fixe – 19. April 2017, um 19.00 Uhr

Stephan Meuser (FES, Bukarest): Wie geht es weiter in Rumänien? Vortrag und Diskussion zur aktuellen Situation

in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.

In FES Berlin, Hiroshimastr. 28 (Haus 2), 6. Etage, 10785 Berlin (S/U Potsdamer Platz, Bus 200/ M29)

Bitte bestätigen Sie Ihre Teilnahme bis zum 11.4.2017: cindy.espig@fes.de Tel.269357487/Fax:269359250

Vortrag und Diskussion

Die Straßenproteste in Bukarest und den großen Städten Rumäniens haben auf den ersten Blick einiges bewirkt. Die Regierung zog die Eil-Verordnung zur Verwässerung der Anti-Korruptionsgesetze zurück, zwei Minister erklärten ihren Rücktritt, auf Initiative des Präsidenten Klaus Johannis wurde ein Referendum auf den Weg gebracht: Die rumänischen Bürger sollen über die Zukunft der Korruptionsbekämpfung abstimmen. Als „Lichter-Revolution“, als Ausdruck einer friedlichen Bürgerbewegung, werden die Demonstrationen in der europäischen Öffentlichkeit staunend bis bewundernd wahrgenommen. Längst haben sich die Proteste, so Stephan Meuser, „verselbständigt“ und vom eigentlichen Anlass (Amtsmissbrauch) gelöst. Demonstriert wird für die EU – sie steht für Rechtsstaat und Wohlstand – und gegen die tonangebenden „Eliten“, deren Prominenz ganz überwiegend nahtlos aus dem kommunistische Regime übernommen wurde. Wer sind die Demonstranten? Sind sie im Dezember 2016 zur Wahl gegangen? Ist denkbar, dass die protestierenden Massen sich in einer Massen-“Bewegung“ organisieren? Wie denkt die Landbevölkerung über die städtischen Straßenproteste? Wie kann verhindert werden, dass das Ergebnis des Volksentscheids durch Korruption „gekauft“ wird und welche Verbesserungen kann ein solches Referendum überhaupt herbeiführen?

Stephan Meuser leitet seit Juni 2016 das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Bukarest und hat die Straßenproteste aus nächster Nähe miterlebt. Zuvor war er für die FES in der Ukraine und Belarus tätig sowie als Referent im Referat Mittel- und Osteuropa in Berlin. Er hat Politik- und Rechtswissenschaften in Bonn und an der „Sciences Po“ (Institut d’Études Politiques) in Paris studiert. Von 2004 bis 2005 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin.


Jour Fixe – 05. April 2017, 19.00 Uhr

Dr. Georg Herbstritt (Berlin): Securitate und Stasi – Entzweite Freunde. Der Weg von der Zusammenarbeit bis zum Zerwürfnis

  • Vortrag und Diskussion –

Dass die Geheimdienste der DDR und Rumäniens nach 1950 eng zusammenarbeiteten, lag nahe: die Rumänen und Rumäniendeutschen, die nach 1950 in die Bundesrepublik, oder, seltener, in die DDR kamen, waren für die Spionage-Arbeit der Securitate brauchbar, um die Verwandtschaft in Rumänien zu erpressen. Und die Stasi (MfS) war gerne bereit, dem „sozialistischen Brudervolk“ zu helfen. Berlin war damals die „Hauptstadt der Agenten“; hier tummelten sich in den „Residenturen“ Spitzel und Informanten, und manche Geschichte, die Georg Herbstritt recherchiert hat, liest sich wie ein Krimi: man liest von Entführungen und Erpressungen, von Rauschgiftschmuggel, vom Top-Terroristen Carlos, von der „Rumänischen Kolonie“, oder den Geschehnissen um „Gerda“. Das „Decknamen-Register“ umfasst zwei Seiten, das Personenregister ist sieben Seiten lang.
Ab den sechziger Jahren trübte sich das gute Verhältnis ein: Rumänien scherte immer wieder aus dem von der Sowjetunion dominierten Bündnissystem aus, schlug einen Sonderweg ein, indem es mit Blockfreien kooperierte und sich dem mit Moskau verfeindeten China annäherte. Die Freunde entzweiten sich im Laufe der 1960er Jahre. Das MfS begriff Rumänien fortan als ein potenziell feindliches Bruderland, das beobachtet wurde. Gestützt auf Akten aus beiden Ländern, untersucht Georg Herbstritt fast alle Bereiche, bei denen MfS und Securitate gemeinsam oder in Abgrenzung zueinander unterwegs waren. Ausführlich werden die politischen Zusammenhänge betrachtet: die (ost)deutsch-rumänischen Verflechtungen, der rumänische Sonderweg und die Strategien des östlichen Bündnisses im Umgang mit dem schwierigen Verbündeten.

Dr. Georg Herbstritt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Stasi-Unterlagen-Behörde mit dem Forschungsschwerpunkt „Auslandsaktivitäten der DDR-Staats-sicherheit“. Parallel dazu hat er über die rumänischen Securitate gearbeitet und in den Archiven der rumänischen „Stasi“-Behörde CNSAS in Bukarest über die Zusammenarbeit zwischen Stasi und Securitate geforscht. Ein Ergebnis ist die umfassende Studie, über die er beim JF berichtet.


„Jour Fixe“ – 08. Februar 2017, um 19.00 Uhr

PD Dr. Mariana Hausleitner (Berlin) & Prof. Dr. Viorel Achim (Bukarest): Verbrechen an den rumänischen Roma im 2. Weltkrieg

in Kooperation mit der SÜDOSTEUROPA-GESELLSCHAFT

In der HU Berlin (Hauptgebäude), Unter den Linden 6, Senatssaal, 1. Stock

Vortrag und Diskussion

Zwischen Juni und September 1942 ordnete das faschistische Regime in Rumänien die Deportation von 25.000 bis 30.000 Roma nach Transnistrien an: betroffen waren etwa 12 Prozent der damaligen Roma. Auf Befehl von Marschall Ion Antonescu wurden als erstes jene Roma verschleppt, die man als „gefährlich und unerwünscht“ eingestuft hatte; Dokumente lassen vermuten, dass schließlich die gesamte Roma-Bevölkerung deportiert werden sollte. In den Arbeitslagern herrschten grauenvolle Zustände, vergleichbar jenen in den KZ der Nationalsozialisten. Schätzungen gehen davon aus, dass nur 1.500 Roma die Deportationen überlebten: ihnen gelang die Flucht aus den Lagern, als im Frühjahr 1944 die sowjetischen Truppen vorrückten und die rumänischen Truppen zurückwichen.

Auch für etwa 100.000 rumänische Juden aus der Bukowina und Bessarabien war Transnistrien die Hölle: 1941 organisierte der Generalstab der rumänischen Armee ihre Deportation in das Gebiet zwischen Dnjestr und Bug (heute Republik Moldau). Fast alle starben, wie auch die deportierten Roma, an Hunger, Kälte, Krankheiten.
Wie geht Rumänien 75 Jahre später mit dem Holocaust an den Roma um? Was wissen junge rumänische Roma von diesem dunklen Kapitel der rumänischen Geschichte?

PD Dr. Mariana Hausleitner, geboren in Bukarest, als Historikerin und Hochschullehrerin vor allem mit der Geschichte Südosteuropas im Faschismus des 20. Jahrhunderts befasst. Zahlreiche Publikationen zur Beteiligung Rumäniens an der Vernichtung der Juden, zu Deutschen und anderen Minderheiten in Ost-und Südosteuropa. Kuratorin der vielbeachteten Ausstellung „Die Polizei im NS-Staat“ (2011 im Deutschen Historischen Museum, Berlin)

Prof. Dr. Viorel Achim, Historiker am Nicolae Iorga Institut (Bukarest), profilierter Kenner der Geschichte der rumänischen Roma und der Minderheiten in Rumänien, dazu zahlreiche Publikationen; Fellow am Imre Kertesz Kolleg der Universität Jena (2012), Forschungen und Veröffentlichungen zu den deutsch-rumänischen Beziehungen 1940 – 1944.


Podiumsdiskussion mit Politikern und Journalisten – 25. Januar 2017, um 18.00 Uhr

  • MdB Gunther Krichbaum (CDU)
  • MdEP Siegfried Muresan (EVP)
  • Keno Verseck (Spiegel online)

2007 Zehn Jahre Mitgliedschaft Rumäniens in der EU 2017

Eine Bilanz des Europäischen Jahrzehnts

Im Europäischen Haus, Unter den Linden 78, 10117 Berlin. !! Anmeldung erforderlich bis 15. Januar bei DRG-Schatzmeister: tony-kroenert@deruge.org

Moderation: Marianne Theil (DRG)

Mit Begeisterung und großen Erwartungen feierten die Rumänen den EU-Beitritt. Zehn Jahren später herrscht Enttäuschung bei sehr vielen Rumänen, deren wirtschaftliche Lage unbefriedigend geblieben ist, während viele sichtbar bereichert sind. Etwa ein Sechstel nutzt seit 2014 die volle Freizügigkeit und arbeitet in Westeuropa; fast drei Milliarden Euro wurden 2016 an Familien in der Heimat überwiesen. In zehn Jahren wurde viel erreicht: das Rechtssystem wurde reformiert, die Justiz funktioniert besser, gegen Korruption wird massiv vorgegangen, was von der EU-Kommission lobend hervorgehoben wird.

Die Diskussionsteilnehmer bilanzieren Fehlentwicklungen, Rückschläge, Erfolge und Hoffnungen, beispielsweise: Welche Branchen haben profitiert, wo fehlen und warum scheitern ausländische Direktinvestitionen, warum forschen nicht mehr europäische Wissenschaftler in Rumänien, wieso werden nicht alle EU-Strukturgelder abgerufen? Wie hat sich die Zivilgesellschaft entwickelt, wie steht es um die Diskriminierung von Minderheiten, in wessen Händen liegt die Macht der Medien, der „vierten Gewalt“? Vor welchem Hintergrund können sich nationalistisch-populistische Kräfte in Rumänien profilieren? Wie sollte Rumänien in der aktuellen Krise der EU agieren und wie sich auf seine EU-Ratspräsidentschaft 2019 vorbereiten?


Jour Fixe – 5 Dezember 2016, 19.00 Uhr

Dr. Lucian-Attila Blaga (Timișoara/Hamburg): Vor den Wahlen in Rumänien: Was bewegt die Menschen? Politikverdrossenheit und verfehlte Kommunalpolitik am Beispiel Timișoara

Vortrag und Diskussion

Im Juni 2016 wurden in Rumänien Bürgermeister und Stadträte neu gewählt. Das Wahlergebnis in Timișoara/Temesvar sorgte für Schlagzeilen: der umstrittene Bürgermeister Nicolae Robu wurde wiedergewählt – bei einer Wahlbeteiligung von nur 28 Prozent! Wie kommt es, dass 72 Prozent der Bürger die Kommunalwahl egal waren? Ausgerechnet in der Stadt, in der im Dezember 1989 die „Revolution“ begann, die zur Absetzung von Ceaușescu führte und Rumänien die Demokratie und EU-Mitgliedschaft brachte.

Wie wird die Wahlbeteiligung in Timișoara bei den Parlamentswahlen am 11. Dezember sein? Wird sich die Unzufriedenheit auf kommunaler Ebene und eine allgemeine Politikverdrossenheit wieder in einer extrem niedrigen Wahlbeteiligung niederschlagen?

„Man hat genug Gründe, in Temesvar zufrieden zu leben: die Stadt wurde vor kurzem zur Europäischen Kulturhauptstadt 2021 ernannt, der Kreis Temesch hat eine Arbeitslosigkeit von knapp über 1%. Eine Art Paradies, wenn man es mit anderen Regionen in Rumänien oder sogar Europa vergleicht. Eine so niedrige Wahlbeteiligung (wie im Juni) ist ein klarer Schlag für die Politiker. Denn die Politik ist es, die mit den Gefühlen und Hoffnungen der Menschen gespielt und sie danach immer wieder enttäuscht hat“, so Lucian Blaga. Er zeigt mit vielen (Foto-und Video-) Beispielen die verfehlte und korrupte Kommunalpolitik: kostspielige und sinnlose Baumaßnahmen, veraltete Straßenbahnen, die stecken bleiben, ganze Stadtteile, die in der Nacht im Dunkeln sind, Fabriken und historische Gebäude in den Händen von obskuren Schatten-Geschäftsleuten. Blaga: Führungspositionen sind auf Parteiangehörigkeit angewiesen und was der Parteiboss (lokal oder national) sagt, wird im Rat stets gewählt, mit vielleicht einigen Enthaltungen.

Dr. Lucian-Attila Blaga, seit 2011 als Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material-und Küstenforschung, pendelt zwischen Hamburg und seiner Heimatstadt Timișoara, wo er an der Technischen Universität als Bauingenieur promovierte und an der Banater Zeitung mit arbeitete. Er ist in keiner Partei, jedoch aktiv in sozialen Netzwerken (Mitglied/Gründer verschiedener Plattformen für politisch-gesellschaftliche Diskussionen).


Buchpräsentation „Lagerlyrik“ – 23 November 2016, 19.00 Uhr

Hrsg: Günter Czernetzky, Renate Weber-Schlenter, Luzian Geier, Hans-Werner Schuster, Erwin-Josef Ţigla, Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt 201

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

Bitte rechtzeitig anmelden: hermine-untch@deruge.org

Fast jeder/jede aus Rumänien stammende Deutsche kennt aus seiner/ihrer Familie die Erzählungen der im Januar 1945 in die Sowjetunion deportierten Generation. Es wurden „alle arbeitsfähigen Deutschen – Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren, Frauen von 18 bis 30 Jahren – , die sich auf den von der Roten Armee befreiten Territorien Rumäniens, Jugoslawiens, Ungarns, Bulgariens und der Tschechoslowakei befinden“ mobilisiert und „zum Wiederaufbau der Bergbauindustrie im Donezbecken und der Schwarzmetallurgie des Südens“ eingesetzt. Dieser Beschluss des sowjetischen Verteidigungskomitees erging am 16. Dezember 1944 und wurde von Stalin unterzeichnet.
Aus Rumänien wurden zwischen 70.000 und 80.000 Deutsche in sowjetische Arbeitslager verschleppt, wo sie zwischen 1945 und 1949 Zwangsarbeit leisteten.

Der Band „Lagerlyrik“ ist zum 70. Jahrestag der Deportation erschienen. Er sammelt Gedichte, Fotografien, Zeichnungen, Lieder, Verse, Reime und Sprüche der Deportierten selbst und dokumentiert ihr Leben und vor allem ihr Leiden in den Arbeitslagern aber auch ihre Hoffnung und ihren Überlebenswillen.

Über dieses Thema wurde in der Öffentlichkeit lange geschwiegen. Erst nach 50 Jahren begann die wissenschaftliche Aufarbeitung. 2009 setzte Herta Müller den Deportierten ein literarisches Denkmal in ihrem Buch „Atemschaukel“. Erst mit „Lagerlyrik“ erhalten die Betroffenen selbst eine Stimme.

  • Einführung: Luzian Geier
  • Lesung mit Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin
  • Lichtbilder des Fotografen Marc Schröder: Porträts von Deportierten
  • Lichtbilder von Günter Czernetzky: Fotografien und Zeichnungen aus dem Buch
  • Büchertisch
  • anschließend kleiner Empfang

Jour Fixe – 12 Oktober 2016, 19.00 Uhr

Dr. Mihaela Niemczik-Arambasa (Potsdam): Deutsch-Rumänische Geschäftsbeziehungen: Wann gelingen sie, wann scheitern sie? Aspekte der interkulturellen Zusammenarbeit deutscher und rumänischer Unternehmen

Vortrag und Diskussion

Ein typisches Beispiel für deutsch-rumänische Irritationen aus der Praxis von Mihaela Niemczik-Arambasa: „Eine deutsche Managerin ist im Büro einer rumänischen Filiale in Deutschland. Der Filialleiter ist ein Rumäne aus Bukarest. Er kommt ins Büro und begrüßt alle Männer per Handschlag. Nur die Managerin aus Deutschland begrüßt er mit einer kleinen Kopfbewegung. Die deutsche Managerin ist verunsichert, sie fühlt sich ausgegrenzt.“ Was steckt hinter diesem Verhalten des Rumänen? Will der rumänische Filialleiter tatsächlich die deutsche Managerin ausgrenzen?

Viele deutsche Unternehmer, die Geschäfte in und mit Rumänien treiben, denken nicht daran, dass für den Erfolg des Geschäftes eine Auseinandersetzung mit den lokalen Gepflogenheiten und der Arbeitskultur notwendig ist. Oft lautet die Begründung: „Wir haben unser Unternehmen in Deutschland erfolgreich aufgebaut, nach dem genau gleichen Modell werden wir auch die Filiale in Rumänien aufbauen. Rumänien liegt ja in Europa, die kulturellen Unterschiede sind nicht so groß wie im Vergleich mit Ländern wie China oder Japan.“

Diese Aussage stimmt nur teilweise; oft sind die kleinen Unterschiede entscheidend für ein gutes Geschäftsklima. Studien zeigen, dass durch interkulturelle Reibungen zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 20 bis 25% der jeweiligen Projektkosten entstehen. Außerdem scheitern 70 % aller internationalen Kooperationen nicht an fachlichen Kompetenzen, sondern an interkulturellen Problemen. Fazit: Wer in Rumänien ein Unternehmen eins zu eins nach deutschem Modell aufbauen möchte, ist wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.

Anhand von konkreten Beispielen des Geschäftslebens in beiden Ländern präsentiert Mihaela Niemczik-Arambasa konträre Arbeitseinstellungen, die bei der Zusammenarbeit am häufigsten zu Missverständnissen und unnötigen Reibungen führen können.

Dr. Mihaela Niemczik-Arambasa ist promovierte Humangeographin und zertifizierte Trainerin und Coach für interkulturelle Kompetenzen. Seit 2006 freiberufliche Trainerin, Coach und Beraterin für interkulturelle Kompetenzen mit Schwerpunkt Deutschland, Rumänien und Osteuropa. Sie studierte in Bukarest und Potsdam, Promotion an der Universität Potsdam in der Abteilung Sozial- und Kulturgeographie.


Jour Fixe – 5 September 2016, 19.00 Uhr

Dr. Peter Rosenthal (Köln): Von Arad nach Köln: „Angekommen und doch Unterwegs“

der Autor über seinen Erinnerungs-Roman „In die Zeit fallen“

Lesung und Gespräch

Die Eltern emigrieren in den frühen siebziger Jahren voraus nach Deutschland. Der Junge bleibt zurück bei der Großmutter. Gefangen in einer Zeitfalle: in „Wenigeralszweijahren“ soll er nachreisen können. Eine rumänische Kindheit in der Ceaușescu-Diktatur als Sohn „republikflüchtiger“ Juden. Misstrauen, Ausgrenzung, eine lebensgefährliche Attacke. Sonntägliche Langeweile in den leeren Straßen Arads, am Fluss Marosch, an der Grenze zu Ungarn. Jugendliche Melancholie, stille Rebellion und Suche nach Geborgenheit in der Synagoge. Mit beginnender Pubertät, mit 13, dann die Ausreise in den „betäubenden Komfort der bundesrepublikanischen Wohlstandsgesellschaft“. Die Muttersprache? „Mehrsprachigkeit“: rumänisch, ungarisch, deutsch. Schulschwänzen, Lesebegeisterung und allmähliche eine „Verwandlung“. Wie durch einen Nebel das Erleben des vielschichtigen Exils in einer lange als fremd empfundenen Umgebung. Anpassung und Assimilation. Dennoch die „Wunde der Emigration“.
Nach Jahrzehnten in Köln das emotionale Wagnis einer Reise in seine („schlechte“) Heimat Rumänien, an die Orte der Kindheit. Er ist „wieder zu Hause im Ausland“. In seinem Erinnerungsroman verknüpft Peter Rosenthal subtil Reflexionen über Herkunft und Heimat, über das Zulassen, Entdecken und Wertschätzen von Erinnerungen.

Dr. med. Peter Rosenthal, geboren 1960 in Arad, mit 13 Jahren Ausreise nach Deutschland. Medizinstudium in Köln. 2001 Veröffentlichung „Entlang der Venloer Straße“, ein Briefroman, in dem er sich in Briefen an seinen in Israel lebenden Freund mit dem Leben in Deutschland auseinandersetzt. Publikationen in Zeitschriften. Der Internist Peter Rosenthal ist Hausarzt in Köln. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.


Jour Fixe – 3. Mai 2016, 19.00 Uhr

Dr. Michaela Nowotnick und William Totok (Berlin): Der „Fall Eginald Schlattner“.

Schriftsteller und Securitate im kommunistischen Rumänien

Vortrag

Als Schriftsteller wurde Pfarrer Eginald Schlattner aus Rothberg/Roșia ab den 1990er Jahren berühmt. Seine Romane, in das Schicksal Siebenbürgens verwoben, mit unverkennbar autobiographischen Bezügen, erreichten in Deutschland hohe Auflagen. Als im Jahr 2000 „Rote Handschuhe“ erschien, entfachten sich erneut die alten, bis heute andauernden Kontroversen um das Verhalten des Autors in jungen Jahren. Der Roman thematisiert seine eigene Haftzeit und Verurteilung in den 1950er Jahren. Er spielt zu einem großen Teil in einer Gefängniszelle der rumänischen Securitate, in der Schlattners Alter Ego festgehalten und zur Denunziation gegen seine Schriftstellerkollegen gezwungen wird. Er soll Informationen über Freunde und Kollegen, ja über seinen eigenen Bruder liefern. Unter dem massiven Druck bricht er letztendlich zusammen und wird zum Hauptbelastungszeugen.

„Rote Handschuhe“ bezieht sich auf den „Schriftstellerprozeß“ von 1959 im rumänischen Kronstadt: in einem Schauprozess gegen eine Gruppe junger Schriftsteller der deutschen Minderheit wurden fünf Angeklagte zur insgesamt 95 Jahren Haft und Arbeitslager verurteilt und 1968 freigelassen. Eginald Schlattner wurde später beschuldigt, als „Kronzeuge“des Schauprozesses die Angeklagten belastet zu haben – ein Vorwurf, der in der rumäniendeutschen Szene untrennbar mit der Rezeption von „Rote Handschuhe“ und der Aufarbeitung des Schriftstellerprozesses verbunden ist.

Zum „Fall Schlattner“ präsentieren die Referenten neue Erkenntnisse aufgrund von jahrelangen Recherchen. Im „Fall Schlattner“ wurden, wie sie nachweisen, Akten manipuliert, Übersetzungen verfälscht, bestellte Gutachten vorgelegt. „Es konnten“, so Michaela Nowotnick, „Mechanismen ausfindig gemacht werden, die Gerüchte zu Wahrheiten werden lassen“. Diskutiert werden muss, inwieweit diese Forschungsergebnisse ein neues Licht auf den „Fall Schlattner“ werfen.

Dr. Michaela Nowotnick, Literaturwissenschaftlerin am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität Berlin. Dissertation zum Thema „Die Unentrinnbarkeit der Biographie. Eginald Schlattners Roman ‘Rote Handschuhe’ – Eine Fallstudie zur rumäniendeutschen Literatur nach 1945“. Mitarbeit am Projekt zur „Erfassung und Notsicherung in Privatbesitz befindlicher Quellen und Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur in Rumänien“.

William Totok, rumäniendeutscher Schriftsteller, Publizist. Mitbegründung der Schriftstellervereinigung „Aktionsgruppe Banat“ (1972-75); wegen „Verbreitung staatsfeindlicher Gedichte“ 1975/76 in Haft. Forschungen und zahlreiche Publikationen zur Securitate.


Jour Fixe – 13. April 2016, 19.00 Uhr

Carmen Francesca Banciu (Berlin): Mein Jahr in einem rumänischen Dorf

Lesung aus den in Cața/Katzendorf entstandenen Texten

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

  • Fotos von Land und Leuten

  • anschließend kleiner Empfang

Das Dorf Cața/Katzendorf im siebenbürgischen Rumänien hat eine kleine Kirchenburg, ein altes Pfarrhaus-Gebäude, nur noch wenige deutsch sprechende Einwohner, liegt idyllisch zwischen Eichenhainen und ist auf kaum einer Landkarte zu finden. Für ein Jahr wurde der Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu der Titel „Dorfschreiberin“ von Cața/Katzendorf verliehen. Mit dem Titel war ein manchmal monatelanger Rückzug in eine Welt verbunden, in der Pferdekarren noch üblich sind. Für die aus Rumänien stammende, großstädtisch-elegante Schriftstellerin war diese Zeit eine ungewohnte Herausforderung. Wie fremd ist ihr die ländliche Umgebung, die sie an Kindertage erinnert? Wie schockierend ist die direkte Konfrontation mit Armut, Bildungsnot, Hoffnungslosigkeit in einem früher wohlhabenden Dorf, in dem es damals eine Siebenbürgisch-Sächsische Mehrheit gab? Wie begegnen die Menschen in Cața/Katzendorf der Rumänin aus Berlin?

Der „Dorfschreiberpreis“ wurde zum dritten Mal verliehen. Initiator ist der in Berlin lebende, aus Siebenbürgen stammende Autor und Filmemacher Frieder Schuller, der in dem ehemals evangelischen Pfarrhaus von Katzendorf aufgewachsen ist. Wer den Preis erhält soll, so Frieder Schuller: „in die Sprache der Dorfbewohner hineinhören, sich wundern, mitreden, um einen Dichterbeitrag zum gegenwärtigen Transsilvanienbild hinzuzufügen“.

Carmen-Francesca Banciu, geboren im rumänischen Lipova, seit 1992 in Berlin, schreibt in deutscher Sprache. Ausreise nach Publikationsverbot in Rumänien wegen der Verleihung des Internationalen Kurzgeschichtenpreises der Stadt Arnsberg für die Erzählung „Das strahlende Ghetto“ (1985). Autorin vielbeachteter Romane (2007:“Das Lied der traurigen Mutter“), zahlreiche Preise und Stipendien. Zuletzt erschien ihr Essay-Band „Leichter Wind im Paradies“. Mitherausgeberin des transnationalen e-Magazins „Levure Litteraire“; Mitglied im Beirat der DRG.


Jour Fixe – 11. März 2016, 19.00 Uhr

Hermann Kurmes (Măgura bei Zărneşti / Rumänien): Entwicklung und Ziele des Ökotourismus in Rumänien

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

  • Vortrag, Fotos
  • anschließend kleiner Empfang

Rumänien hat Naturfreunden einiges zu bieten. Bekannt sind vor allem das Biosphärenreservat Donaudelta mit über 300 Vogelarten und die rumänischen Karpaten, wo mehr als 30 Prozent der europäischen Bär-, Wolf- und Luchs-population lebt. Daneben gibt es über das gesamte Land verteilt unzählige Naturschutzgebiete, viele Nationalparks und Naturparks. Insgesamt ist mehr als 8,3 Prozent der 238.391 Quadratkilometer Landesoberfläche geschütztes Gebiet.

Vor diesem Hintergrund gründete Hermann Kurmes 1999 zusammen mit seiner Frau Katharina Carpathian Nature Tours (cntours), die erste rumänische Reise-agentur für naturnahen, nachhaltigen Tourismus in Rumänien. Er baute sein Unternehmen zum bedeutendsten rumänischen Reiseveranstalter für umwelt-freundliche und naturnahe Reisen aus. Der besondere Schwerpunkt liegt auf Natur- und Wanderurlaub für Familien und Kleingruppen in den Karpaten und in Siebenbürgen. Stammhaus von cntours ist die Villa Hermani in Măgura (Bezirk Braşov/Kronstadt) im Nationalpark Piatra Craiului in den Südkarpaten.

In seinem Vortrag wird Hermann Kurmes auf die Grundsätze des Ökotourismus in Rumänien eingehen, die Aktivitäten des nationalen Ökotourismusverbands „AER“ und dessen Projekt „ökotouristische Destinationen“ erläutern und uns schließlich anhand von Lichtbildern einige historisch gewachsene Regionen Rumäniens vorstellen.

Hermann Kurmes, geboren in Wolkendorf/Vulcan in Siebenbürgen kehrte nach ein paar Jahren in Deutschland 1997 zusammen mit seiner Frau in seine siebenbürgische Heimat zurück, wo er 1999 CNTOURS gründete. 2003 war er Gründungsmitglied des ersten nationalen Ökotourismusverband „AER“ (www.eco-romania.ro). CNTOURS ist regelmäßig, so auch in diesem Jahr, auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin vertreten.

Jour Fixe – 10. März 2016, 19.00 Uhr

Philipp Harfmann/Ruth Istvan (Sibiu/Hermannstadt): Siebenbürgische Kirchenburgen zwischen Tourismus und Verfall

Powerpoint-Vortrag, Videos, Fotos

Etwa 150 Kirchenburgen und mittelalterliche Wehrkirchen gibt es im siebenbürgischen Rumänien. Sie wurden von den Siebenbürger Sachsen einst gebaut zur Verteidigung gegen Türken und Tataren-Einfälle. Zum Weltkultur-Erbe gehören sieben der schönsten und bedeutendsten dieser stolzen Denkmäler einer inzwischen gefährdeten Kulturlandschaft. Einige Kirchenburgen sind durch private Spenden instand gesetzt worden und befinden sich in gutem Zustand. Doch viele, wenn nicht die meisten, Kirchenburgen verfallen. Erst vor wenigen Wochen brach der Turm der Kirche in Radeln auseinander. Die Kirchenburgen stehen leer und werden nicht mehr genutzt, weil die meisten Deutschen das Land verlassen haben. Aber der Zustand der Kirchenburgen ist auch gefährdet durch gut gemeinte, aber fachlich falsch durchgeführte Reparaturen. Die Stiftung Kirchenburgen wurde von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien gegründet, um ein kostbares kirchliches Kulturerbe zu erhalten. Dazu gehören konservatorische Arbeiten, Fachveranstaltungen, Tourismusförderung und Öffentlichkeitsarbeit. Schirmherren der Stiftung Kirchenburgen sind der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis und der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck.

Philipp Harfmann, geboren in Berlin, seit 1.1.2016 Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen in Sibiu/Hermannstadt. Dipl.Ing. für Stadt-und Regionalplanung, Planer und Berater in verschiedenen Ländern mit Schwerpunkt in Osteuropa und Rumänien, seit 2008 in der Leitstelle Kirchenburgen tätig.

Ruth Istvan geboren in Broos/Orăștie, seit 1.1.2016 Referentin für Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Kirchenburgen. 1984 aus Rumänien ausgewandert, Tourismusstudium in Heidelberg, verschiedene Auslandsaufenthalte, seit 2014 für das Projektbüro Leitstelle Kirchenburgen tätig.


Jour Fixe – 10. Februar 2016, 19.00 Uhr

Dorothee Hasnaș (Bukarest): Bukarest zwischen Ost und West

Lichtbildervortrag: Stadt-, Architektur- und Kulturplanung bis 2025

In Kooperation mit der Architektenkammer Berlin – in der Architektenkammer Berlin, Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin

anschließend kleiner Empfang

Bitte unbedingt per mail schriftlich anmelden: seminare@ak-berlin.de

Könnte Bukarest die „Europäische Kulturhauptstadt 2021“ werden? Um diesen begehrten, den Tourismus fördernden, Titel zu erringen, stünde der Stadt ein Kraftakt bevor. Die hässlichsten Spuren der sozialistischen Städte- und Architekturplanung müssten verschönt werden. Die gewachsenen Viertel, die Ceaușescu von 1977 bis 1989 abreißen ließ, um Platz für seinen „Palast des Volkes“ zu schaffen (500 ha!) bleiben natürlich verschwunden. Verhindert werden könnte aber, dass unter Denkmalschutz stehende Wohn- und Industriegebäude und gewachsene Straßennetze weiter von Post-Kommunistischen Baulöwen abgerissen werden. Der Masterplan für die Stadt-, Architektur- und Kulturplanung bis 2025 umfasst u.a. tiefgreifende Neuerungen für den öffentlichen Verkehr, für Plätze und Parks, für eine neue städtische kulturelle Identität im Zentrum, für öffentliche Flanierwege am ehemals lieblichen Dambovita-Fluss. Dorothee Hasnas berichtet, mit einem Rückblick auf das frühere „Paris des Ostens“, über die Zerstörungen durch den rumänischen Kommunismus, die Entwürfe von 13 Planungs-und Architekturbüros für ein schöneres Bukarest und die Bemühungen von Bürgerinitiativen um den Erhalt vergangener Pracht.

Dorothee Hasnaș, rumänische Architektin, Städteplanerin und Künstlerin mit Schweizer Wurzeln. Nach Abschluss des Studiums in Karlsruhe 5 Jahre in unterschiedlichen Architekturbüros in Zürich. Seit 2012 Projektkoordinatorin beim Kreativzentrum „The ARK Bukarest“. 2014 Bericht „Stadtplanung, Design für die Kulturstrategie –Planung für Bukarest bis 2025“; 2015 Mitarbeit am neuen Baedeker „Rumänien“. In Haiti Mitarbeit bei Kampagne für erdbebensicheres Bauen mit Lokalmaterialien des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (2011). Ausstellung Zürich „3 mal Bukarest: Boheme- Diktatur-Umbruch (2010)


Jour Fixe – 20. Januar 2016, 19.00 Uhr

Sven J. Irmer (Bukarest): Rumänien im Superwahljahr 2016

in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin

Ort: Konrad-Adenauer-Stiftung, Klingelhöferstr. 23, 10785 Berlin

Einlass nur nach vorheriger Anmeldung (https://aoweb.kas.de/KAS_VaAnmeldung/Teilnehmerdaten.aspx?id_v=51890&a_A=1)

Vortrag und Diskussion – anschließend kleiner Empfang

In Rumänien werden 2016 wichtige Weichen für die Zukunft des Landes gestellt: bei den Kommunalwahlen im Juni werden die Repräsentanten aller 41 Kreise des Landes, sämtliche Gemeinderäte und alle Bürgermeister gewählt. Im Herbst folgen die Parlamentswahlen, bei denen es erstmals die Möglichkeit einer Briefwahl für alle, auch die Auslandsrumänen, geben könnte. Die Briefwahl ist eines der Vorhaben der neuen, „technokratischen“ Regierung unter Dacian Cioloș, die Ende November 2015 von Präsident Klaus Johannis nominiert wurde. Wird die „technokratische“ Regierung die Erwartungen der jungen Rumänen erfüllen können? Im Kabinett sind nicht länger Parteigänger, sondern Fachleute vertreten, die sich viel vorgenommen haben, so Bekämpfung der Korruption, bessere Nutzung europäischer Fördergelder, Stopp der Abwanderung von qualifizierten Rumänen. Das Jahr 2016 ist auch eine Bewährungsprobe für Präsident Johannis. Er ist seit gut einem Jahr im Amt und muss beweisen, wie er seinen Handlungsspielraum für ein „besseres“ Rumänien nutzen will.

Sven-Joachim Irmer hat am 1. Juli 2012 die Leitung der Konrad Adenauer-Stiftung (KAS) in Bukarest übernommen. Der Politik-Profi hat als Insider vor Ort die Jugend-Proteste in Bukarest vom letzten Oktober/ November verfolgen können, die zum Sturz der Regierung Ponta führten. Irmer studierte Sozialpädagogik und Betriebswirtschaft und arbeitete vor seiner Tätigkeit für die KAS bei der „Steltemeier Strategieberatung for Public Affairs“.


Jour Fixe – 9. Dezember 2015, 19.00 Uhr

Nico Schmolke (Berlin): 7 Tage Bukarest : Mit dem Blick eines VideoBloggers

Erwartungen, Erfahrungen, Ergebnisse eines Kurz-Aufenthalts

Sieben Tage mit neugierigem Blick in einer fremden Großstadt wie Bukarest – was fällt auf, was gefällt, was befremdet, was meint man schon gekannt zu haben? Welche Vorurteile werden aufgeweicht und welche bestätigt? Und warum ausgerechnet Bukarest wählen für ein Blogging-Experiment mit der Videokamera? Der Student Nico Schmolke fand das am Rande der EU gelegene Bukarest interessanter als Paris, London oder Madrid. Auch diese europäischen Hauptstädte standen zur Auswahl bei der Bewerbung um ein kurzes Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung im Rahmen eines Debattenportals „SagWas“. Schmolke bloggte eifrig, was er in sieben Tagen Bukarest entdeckte, immer auf der Suche nach „Lichtblicken… denn Rumänien muss doch auch positives zu bieten haben“. Bestätigen kann er heute, dass die Korruption das größte Problem ist. Zu den Lichtblicken zählt er u.a. das große bürgerschaftliche Engagement von überwiegend jungen Leuten, die er befragte. In sieben Tagen bloggte Nico Schmolke sechs VideoFilme und schrieb einen Artikel über die schwule, immer noch diskriminierte, Szene Bukarests. In seinen Videos werden Themen wie Auswanderung, Korruption, hauptstädtische Kulturschaffende, Roma, Flüchtlinge, Bürgerschaftliches Engagement untersucht. Nico Schmolke war Anfang Oktober in Bukarest, also vor dem Disco-Brand und den dadurch entflammten Demonstrationen, die den Rücktritt von Regierungschef Ponta auslösten.

Nico Schmolke studiert an der FU Berlin Politikwissenschaft und steht kurz vor dem Master-Abschluss. Der 24-jährige Student ist zur Zeit Journalismus-Praktikant bei der „Berliner Zeitung“


Jour Fixe – 2 Dezember 2015, 19.00 Uhr

Judit Pompery (Berlin): Prächtig bestickt und fein gewebt: Die Trachten des Karpatenbeckens. Die Sammlung Pompery

Lichtbildervortrag

Selbst in ländlichen, traditionell orientierten Gegenden Südosteuropas sind Trachten schon lange nicht mehr die tägliche „Volkskleidung“. Die Tracht als ein Kleidungsstück, das die Ordnung einer Gesellschaft widerspiegelt, ist mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der letzten Jahrzehnte aus der Mode gekommen. Noch vor dem 2. Weltkrieg war im Karpatenbecken genau festgelegt, welche Hauben, Hüte, Röcke, Hosen und Accessoires wer wann wo tragen durfte. An der Kleidung ließen sich soziale Stellung, Alter, Geschlecht, Familienstand, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, manchmal auch die Religionszugehörigkeit, ablesen. Die Tracht gab Auskunft über Region und Nationalität. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Trachten verändert, wie jede Kleidung. Zeitgeist, Politik, Migrationbewegung, aber auch technische Entwicklung, Industrialisierung und Globalisierung spiegeln sich in den Trachten genauso wider wie aktuelle Modetendenzen.
Trachten sind mittlerweile kostbare Objekte, die in Museen aufbewahrt werden oder in Privatsammlungen wie der von Judit Pompery, die auf die Frage, was sie motiviert, antwortet: “Meine Sammelleidenschaft hat meine Betrachtungsweise verändert: Man erkennt plötzlich geschichtliche, geografische, soziografische Zusammenhänge. Mit großer Überraschung habe ich festgestellt, dass die Bevölkerung des Karpatenbeckens aus vielen ethnischen Minderheiten besteht, und zwar nicht nur in den Grenzgebieten der jeweiligen Länder. Dies spiegelt sich auch in den Trachten wider und bringt einen unglaublichen Formenreichtum.“

Judit Pompery stammt aus Ungarn und studierte in Budapest Wirtschaftswissenschaften. Seit 1975 lebt sie in Berlin. Sie ist als Unternehmerin im Handelsbereich tätig. Ihre berühmte Sammlung rumänischer Trachten sowie ungarischer, slowenischer, serbischer, kroatischer und anderer Minderheiten im Karpatenbecken umfasst rund 1.300 Einzelstücke.


Jour Fixe – 25 November 2015, 19.00 Uhr

Eva Ruth Wemme (Berlin): „Meine 7000 Nachbarn“: Rumänische Roma in Berlin

Buchvorstellung, Lesung, Diskussion

Zunächst sprang sie eher zufällig als Übersetzerin ein, wenn Roma sich im Behörden-Dickicht verirrten. Ihr Einsatz für die Neuankömmlinge aus Rumänien wurde schließlich zu einem Beruf. Sie begleitete Roma zu Ärzten, Sprachkursen, Behörden und Arbeitgebern, sie sprach an Schulen und Kitas vor, organisierte Mutter-Kind-Gruppen. Abends notierte sie ihre Eindrücke und Erlebnisse. Als Buch wecken diese kleinen Geschichten Empathie und geben den Lesern das Gefühl, sie kennten die betreuten Roma ein wenig. Es sind authentische, weil überwiegend von den Roma in eigenen Worten geschilderte Einblicke in das raue Leben dieser rumänischen Ethnie, von denen es viele nach Berlin verschlagen hat. Die kurzen Kapitel, etwa „Als ich von Deutschland hörte“, „Am Gynäkologenstuhl lehnend“, „Zehn Stunden Neukölln“, fordern die Leser heraus: mancher wird sich ertappt fühlen, weil die Anekdoten schildern, wie vorurteilsbeladen sich die „Anderen“ den Roma gegenüber verhalten. Das beherrschende Thema des Buches sind die täglichen Nöte, die unverständliche Bürokratie, die Suche nach Arbeit jenseits der Bettelei, die meistens große Unwissenheit und damit verbunden ein Ausgeliefert sein an Ausbeutung jeder Art, „wie im 19.Jahrhundert“. „Die Roma wissen, dass man eine falsche Vorstellung von ihnen hat. Eher hat man eine falsche Vorstellung als keine“. Warum sie die Geschichten aufgeschrieben hat? „Weil ich es schön finde, mit ganz normalen Menschen zu tun zu haben“.

Eva Ruth Wemme studierte u.a.in Bukarest und übersetzte wichtige rumänische Autoren wie Nora Iuga, Mircea Cărtărescu, Norman Manea. Als Autorin war sie Stipendiatin des Literarischen Colloquiums Berlin und der Alfred Döblin-Stiftung. Sie lebt in Berlin. Sie arbeitet als „Sprach –und Kulturmittlerin“ für Neuankömmlinge aus Rumänien.


Jour Fixe – 18. November 2015, 19.00 Uhr

Matthias Jobelius (Bukarest): Was bewegt rumänische Jugendliche? Studie über Werte und Einstellungen junger Rumänen. Eine Bilanz im Jahr 8 der EU-Mitgliedschaft

Rumäniens Jugend ist skeptisch und desillusioniert: etwa 90 Prozent der 15- bis 29jährigen fühlen sich von den Politikern des Landes und den politischen Parteien nicht repräsentiert. Der Kontrollfunktion der Medien misstrauen sie. Der EU-Beitritt hat sie enttäuscht: die Arbeits- und Ausbildungschancen haben sich nicht, wie erhofft, merklich verbessert. Gerade mal ein Viertel denkt, dass Rumänien auf dem richtigen Weg ist. Korruption, Armut und Arbeitslosigkeit sind für alle die größten Probleme des Landes. Fast 40 Prozent der jungen Rumänen erwägen, ihrem Land – wenigstens für einige Zeit – den Rücken zu kehren. Den Kirchen und den religiösen Führern des Landes vertrauen sie mehr als den demokratischen Institutionen. Sie beobachten, dass politischer Opportunismus den beruflichen und sozialen Aufstieg erleichtert. Folglich beurteilen junge Rumänen höchst kritisch die herkömmlichen Möglichkeiten des politischen Engagements, z.B. in einer Partei. Zwar haben sie landesweite Protestaktionen (zB gegen den Goldabbau in Rosia Montana, Sozialkürzungen) organisiert. Dennoch aber vertrauen nur weniger als ein Drittel der Kraft von Bürgerinitiativen und NGOs. Wenn es drauf ankommt, sind sie aber dabei: mit einer Wahlbeteiligung von 58 Prozent haben sie den Ausgang der 2014-Präsidentenwahl (Klaus Johannis) stark mit beeinflusst. Dies sind einige der vielfältigen Ergebnisse der Jugendstudie, die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung für Rumänien (2014: 1302 Befragte) und für sieben weitere südosteuropäische Staaten (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Kosovo, Mazedonien, Slowenien) erarbeitet wurde.

Matthias Jobelius leitet seit Mai 2012 die Bukarester Repräsentanz der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) für Rumänien und Moldau. Er studierte Politikwissenschaften in Berlin und London, vor seiner Berufung nach Bukarest war er u.a. Regionalkoordinator der FES für den Südkaukasus.


Jour Fixe – 2. Oktober 2015, 19.00 Uhr

Alin Uhlmann Useriu (Piatra Fantanele/Rumänien): Aufforsten statt Abholzen: Rettet den rumänischen Wald! Aktionen gegen die internationale „Holzmafia“

Vortrag, Fotos, Filme

Rumäniens unberührter Wald mit seinen Jahrhunderte alten Eichenhainen ist durch legales Abholzen und illegalen Raubbau („Holzmafia“) bedroht: noch gibt es 6,6 Millionen Hektar Wald. Aber es verschwinden jede Stunde ca. 3 Hektar, seit 1990 fast 400.000 Ha. Etwa die Hälfte des Bestandes gehört Privatleuten. Zunehmend investieren internationale Unternehmen in die kostbare Ressource „Wald“. Im Juli kaufte der Möbelkonzern Ikea von Privat 33.600 Ha, eine Fläche größer als der Stadtstaat Bremen, und ist jetzt der zweitgrößte Waldbesitzer. Das österreichische Holzunternehmen Schweighofer ist in Rumänien mit 500 Millionen Umsatz Marktführer und muss sich gegen den Vorwurf verteidigen, illegal geschlagenes Holz zu verarbeiten. Die von Alin Uhlmann Useriu gegründete NGO „Tasuela Social“ kämpft gegen den Raubbau in den Wäldern. Das bayerische Umweltministerium hat der Organisation eine Partnerschaft angeboten. Tasuela Social wird von vielen Rumänen unterstützt, darunter der bekannte Schriftsteller Mircea Cartarescu.

Alin Uhlmann Useriu ist ein rumänischer Umweltaktivist der ersten Stunde: nach einigen Jahren in Deutschland, wo er bei der Auslandshilfe der Johanniter engagiert war, kehrte er nach Rumänien zurück mit dem Wunsch, in seiner Heimat Denk- und Handlungsanstöße zu geben für Umweltschutz, Sozialarbeit und ehrenamtliches Engagement. Vor bald 15 Jahren gründete er im Borgo-Gebirge, über dem Dorf Piatra Fantanele (Gemeinde Bistrita) die Siedlung „Tasuleasu Social“ für rumänische und auch deutsche Jugendliche: „Wir haben uns vorgenommen, die Mentalität von Menschen zu verwandeln und zu zeigen, dass die Jugendlichen sich engagieren möchten um soziale Probleme zu lösen“. Was Alin Uhlmann-Useriu in Gang gesetzt hat, ist beeindruckend: 70 Tonnen Müll wurden mit der Aktion „Verde003“ gesammelt, 2200 rumänische Ehrenamtliche reinigten 450 km Flusslauf. Rumänische und deutsche Jugendliche pflanzten bis zum Jahr 2011 mehr als 150.000 Bäume. Vor einem Jahr wurden im Kreis Temeswar weitere 6.000 Schösslinge gesetzt.


Jour Fixe – 11. Juni 2015, 19.00 Uhr

Hannelore Jorgowitz (Berlin): Rumänien im Wandel: „Social Entrepreneurship“ Neue Unternehmensgründungen mit sozialer Selbstverpflichtung

Vortrag, Fotos, Filme

Auch in Rumänien entstehen in den letzten Jahren Unternehmen, bei denen die Gewinnerzielung nicht im Vordergrund steht. Sie wollen ihre unternehmerische Tätigkeit vor allem für einen positiven Wandel der Gesellschaft einsetzen. Ein „Social Entrepreneur“ engagiert sich z.B. im Umweltschutz, Bildung, Armutsbekämpfung: er will Arbeitsplätze für Menschen schaffen, die, wie Roma, sozial benachteiligt sind. Die von realistisch denkenden Idealisten gegründeten Unternehmen bieten ihre Produkte und Dienstleistungen regulär auf dem freien Markt an. Im Gegensatz zu den Unternehmen des freien Marktes haben diese rumänischen Sozialunternehmen keine Gewinnerzielungsabsicht beziehungsweise sie reinvestieren ihre Gewinne erneut in soziale Projekte.
Hannelore Jorgowitz hat soziale Unternehmen in Rumänien besucht; sie berichtet über die landwirtschaftliche Kooperative „ASAT ROMANIA“, die sich einer solidarischen und biologischen Landwirtschaft verpflichtet hat. In der Nähe von Timișoara gibt es das „Curtea Culorilor“ („Haus der Farben“): eine italienische Nonne baut einen landwirtschaftlichen Bio-Betrieb mit einer wunderbaren Käserei auf, um junge (Roma)Frauen zu unterstützen, die sonst möglicherweise auf der Straße landen würden. Eine Besonderheit ist „CRIES“: dahinter steckt eine Beratungs-und Informationseinrichtung, die von einer Frau aufgebaut wird. Es handelt sich um einen „Hub“ (Drehkreuz) für kleinere NGO´s und Bürgerinitiativen, damit diese an die nötigen Informationen kommen und (Weiter)Bildungsmöglichkeiten nutzen können.

Hannelore Jorgowitz, Diplom-Volkswirtin, Politikwissenschaftlerin, geboren im rumänischen Arad, dreisprachig aufgewachsen. Sie arbeitet als Datenschutzberaterin und Datenschutzprüferin bei einer Berliner Unternehmensberatung. Hannelore Jorgowitz ist Mitglied der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft


Jour Fixe – 28. Mai 2015, 19.00 Uhr

Kristin Eichhorn, Sören Haberlandt, Patrick Kehrer: Rumänien im Wandel: Ökologische und Soziale Bürgerproteste. Das FU-Projekt „Growing Roots“

Vortrag, Fotos, Filme

Vor fünfzehn Jahren begann der Protest der Bewohner des hoch gelegenen Dorfes Roșia Montană im Westen Rumäniens gegen den Abbau der Goldvorkommen und damit ihre Umsiedlung und die Gewinnung des Goldes durch Zyanit. Der mutige, schlaue Protest der Bergbauern gilt unter Politikwissenschaftlern als „Mutter der rumänischen Zivilgesellschaft“. Die Umweltbewegung entwickelte sich zu einem Anti-System-Protest. Im Januar 2012 kam es in mehreren rumänischen Orten zu Protesten gegen die Gesundheitsreform. Wegen Roșia Montană demonstrierten im Herbst 2013 in Bukarest erneut 20.000 Menschen. Gegen den Goldabbau zu protestieren, hieß auch, gegen Korruption, Klientelpolitik und Privatisierung zu kämpfen. 2013 begannen auch die Proteste gegen „Fracking“ in Pungești in Ostrumänien, wo der Ölkonzern Chevron Förderung von Schiefergas betreiben will. Beide Umweltbewegungen beschleunigten die politischen und sozialen Proteste. Welches sind die Akteure und Strategien der Proteste, wie die Bedeutung für die Zivilgesellschaft?

Kristin Eichhorn, Sören Haberlandt und Patrick Kehrer stehen kurz vor dem Abschluss ihrer Studien am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin. Als Teil des Projektkurses „Ziviler Ungehorsam? Gesellschaft und Staat in Osteuropa“ recherchierten sie vor Ort die Entwicklung der ökologischen und sozialen Bürgerproteste in Rumänien. Ihr Projekt „Growing Roots“ wurde u.a. von der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft unterstützt.


Jour Fixe – 4 Mai 2015, 19.00 Uhr

Andreas von Mettenheim (Berlin): Deutschland und Rumänien: Stolz und Vorurteil in der gegenseitigen Wahrnehmung

Gegensätzlicher könnten die landläufigen Vor-Urteile über die Menschen in Deutschland und Rumänien kaum sein: die Deutschen gelten als diszipliniert, kühl, humorlos und ehrgeizig. Das Stichwort „Rumänien“ wird unweigerlich mit Korruption, bettelnden Roma, Schlamperei, Banden und „Dracula“ in Verbindung gebracht. Welchen geschichtlichen und kulturellen Hintergrund haben solche Vorurteile und tiefsitzenden Ressentiments, die das „Image“ eines Landes hervorbringen? Wieso wird Deutschland mit Lederhose und Sauerkraut in Verbindung gebracht? Welche Rolle spielt das überwiegend negative Bild vom „Balkan“, der mehr ist als eine regionale Zuordnung von Staaten wie Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Ex- Jugoslawien?
An die Auswirkungen von meistens diffusen Urteilen und Bildern über einen Staat und eine Nation knüpft das „Nation Branding“ an. „Nation Branding“ ist der Versuch, einem Staat mit Hilfe moderner Kommunikationsmethoden sowie PR und Werbung ein gutes Image zu verschaffen, das einer Handelsmarke nicht unähnlich ist. Ziel ist, das Vertrauen in das jeweilige Land zu stärken, Tourismus und Exporte anzukurbeln und das Land für ausländische Investoren attraktiver zu machen.

Andreas von Mettenheim war von 2009 bis 2013 deutscher Botschafter in Bukarest. Seine Überlegungen zu dem aktuellen Thema „nation branding“ beruhen auf der kontinuierlichen Befassung mit dieser Frage während seiner Zeit in Rumänien sowie auf seinen in diesen Jahren gemachten praktischen Erfahrungen. Der Diplomat legt Wert auf die Feststellung, dass er nicht als Amtsperson spricht, sondern als kritischer Beobachter, der auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland das Interesse an seinem früheren Gastland nicht verloren hat.
Andreas von Mettenheim, Studium der Rechtswissenschaft u.a. an der französischen Elite-Schule ENA in Paris, 1975 Auswärtiger Dienst, diplomatische Stationen u.a. Indien, Spanien, Frankreich, Russland, 1999-2002 Leiter des persönlichen Büros des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, von 2009 bis 2013 Deutscher Botschafter in Bukarest.


Jour Fixe – 15. April 2015, 19.00 Uhr

Dr. Gerhard Köpernik (Berlin): Rumäniens „Eiserne Garde“ und die Nazis – Ein GeschichtsRückblick im Jahr 70 nach Ende des 2. Weltkriegs

Lichtbildervortrag und Buchvorstellung

Die rumänische „Eiserne Garde“ war eine antisemitische, antidemokratische, gewaltbereite Organisation, gegründet nach dem 1. Weltkrieg. Ihre mystisch-orthodoxe Ausrichtung übte eine große Faszination aus. In den 1930ziger Jahren war sie, mit etwa 250.000 Mitgliedern, die drittgrößte faschistische Partei Europas (nach Deutschland und Italien).
Mit dem faschistischen Rumänien hatte sich das Deutsche Reich 1940 aus ökonomisch- militärisch-geopolitischen Gründen verbündet. Rumänien wurde von Hitler geschätzt als wichtiger Lieferant von kriegswichtigem Erdöl und Getreide und als ideales Aufmarschgebiet im 2. Weltkrieg. Zur Eisernen Garde, die zeitweise in Bukarest mitregierte, bestanden, vor allem bei der SS, enge Beziehungen.

Im Januar 1941 putschten die Gardisten brutal und erfolglos gegen Marschall Antonescu. Etwa 300 flohen nach Deutschland. Wegen des Putsches gegen den von Hitler geachteten Antonescu waren sie dort zwar in Ungnade gefallen, erhielten aber dennoch eine Art Asyl. Etliche wurden in Konzentrationslagern (Buchenwald, Sachsenhausen, Dachau) inhaftiert, allerdings als „Ehrenhäftlinge“, die, von den KZ-Opfern und deren Not abgeschirmt, kein allzu schlechtes Leben führten.

Gerhard Köpernik hat in seinem Buch viele Details über ein wenig bekannten Kapitels der deutsch-rumänischen Beziehungen in den Jahren 1938 – 1945 zusammen getragen und auch recherchiert, was aus den Gardisten nach 1945 geworden ist.

Dr. Gerhard Köpernik, Studium der Rechtswissenschaft und Politik, lange Jahre in verschiedenen Abteilungen des Bundeswirtschaftsministerium, 1979 bis 1983 Handelsattache an der deutschen Botschaft in Bukarest, 2008/09 im Auftrag der EU-Kommission in der Bukarester Umweltagentur tätig, Seit 2005 Präsident der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft, Buchveröffentlichung „Faschisten im KZ – Rumäniens Eiserne Garde und das dritte Reich“ (2015)


Jour Fixe – 25. März 2015, 19.00 Uhr

Dr. Anneli Ute Gabanyi (Berlin): Einhundert Tage Präsident Klaus Johannis. Eine Bilanz der ersten Präsidentschaftszeit

Sechs Millionen Rumänen wählten ihn direkt zum rumänischen Präsidenten; Mehrheiten von 60 bis über 90 Prozent sorgten weltweit für Aufsehen. Die Erwartungen an den lutherischen Siebenbürger Klaus Johannis, lange erfolgreicher Bürgermeister von Hermannstadt/Sibiu sind gewaltig; nach seinem Amtsantritt am 22. Dezember 2014 stieg das Vertrauen der Rumänen in die Politik sprunghaft an. Johannis versprach für mehr Wachstum zu sorgen, in den Straßenbau zu investieren, und, vor allem dies erhoffen die Rumänen: Es soll Schluss sein mit Klientelpolitik, Korruption und dem verrotteten „alten System“, das das schlechte Image der Rumänen im Ausland prägt. Im Jahr 2013 wurden über eintausend Regierungsbeamte wegen Korruption angeklagt; in den letzten Jahren mehr als 30 Minister. Fast täglich sieht man im Fernsehen Politiker, die in Handschellen abgeführt werden. Klaus Johannis mit seinem Image des „Saubermanns“ mit deutschen Sekundärtugenden hat die Chance zur Erneuerung des Landes, was aber kann er erreichen? Seine Kompetenzen sind begrenzt. Der durch diverse Unregelmäßigkeiten belastete Regierungschef Victor Ponta hat die Mehrheit im Parlament. Johannis muss mit ihm in einer „semipräsidentiellen Demokratie“ auskommen. Durch die Verfassung sind die Kompetenzen von Regierungschef und Staatspräsident nicht genau geregelt, Machtkämpfe sind vorprogrammiert. Dennoch: das Land hat seit dem Amtsantritt von Klaus Johannis aufgeatmet, die resignative Stimmung hat sich aufgehellt. 100 Tage nach dem Amtsantritt bilanziert die renommierte Rumänien-Kennerin Dr. Anneli Gabanyi erste Erfolge und erste Schwierigkeiten.

Dr. Anneli Ute Gabanyi, Politikwissenschaftlerin, siebenbürgisch-rumänische Herkunft, zahlreiche Veröffentlichungen u.a. zur rumänischen Revolution und den Folgen des Systemwechsels auch für Osteuropa. Studium der Anglistik und Romanistik an der Babeș-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca/Klausenburg; politikwissenschaftliche und philosophische Studien u.a. in den USA. Nach der Ausreise aus Rumänien u.a. am Forschungsinstitut von Radio Free Europe, Wissenschaftliche Referentin der Stiftung Wissenschaft und Politik. Forschungen u.a. zur Republik Moldau, Nachbarschafts-und Schwarzmeerpolitik der EU.


Jour Fixe – 24. Februar 2015, 19.00 Uhr

Jürgen Israel (Berlin): Der Dorfschreiber aus der Stadt: Mein Jahr in einem rumänischen Dorf – Ein literarischer Bericht

mit: Frieder Schuller

Sich ein Jahr in Cata, Katzendorf, im siebenbürgischen Rumänien als „Dorfschreiber“ nieder zu lassen, verlangt Neugier, Ausdauer, Abenteuerlust und Liebe zu Menschen und Tieren. Der Berliner Autor Jürgen Israel war nicht selten mit den Schafen und den Schäfern des Dorfes von Sonnenaufgang bis zum Abend in der hügeligen Landschaft unterwegs. Er erlebte die brütende Sommerhitze und die Schnee- und Eiseskälte des rumänischen Winters. Er saß auf dem Bock der Pferdewagen, mit denen Holz geholt wurde. Er freundete sich mit Zigeunern (so lassen sich die Roma hier nennen) an. Er lebte im Schatten der vor 800 Jahren gegründeten Katzenburger Kirchenburg. Er wohnte im Jahrhunderte alten Pfarrhaus, in dem Frieder Schuller, der Initiator des Dorfschreiberpreises geboren wurde. Als Dorfschreiber hatte Jürgen Israel, so bestimmte es Frieder Schuller, auch die Aufgabe: „sich zu wundern“. Jürgen Israel ließ sich mit Herz und Verstand auf das manchmal verwunderliche und ungewohnte Leben ein. Über seine Beobachtungen, Begegnungen und Empfindungen schrieb er ein literarisches Tagebuch, aus dem er lesen wird. In Katzendorf, so hieß Cata, als der Ort noch von Siebenbürger Sachsen bewohnt wurde, leben heute etwa 1000 Menschen, Roma, Rumänen, Ungarn.

Jürgen Israel studierte Altertumswissenschaften und Germanistik in Jena. Wegen Wehrdienstverweigerung Gefängnis von 1970 bis 1972, danach Berufsverbot als Verlagslektor. Ab 1973 offiziell „Sachbearbeiter für Export“, in Wahrheit Lektor bei einem Leipziger Verlag. Später freiberuflicher Autor, Lektor, Publizist, zahlreiche Veröffentlichungen, 1999 Stipendium Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, 2001 Stadtschreiber von Rheinsberg, 2013/14 Dorfschreiber von Katzendorf.

Frieder Schuller, aus Katzendorf stammender Berliner Filmemacher, Lyriker, Regisseur. Begründete den „Dorfschreiberpreis“. Gemeinsam mit dem rumänischen Schriftstellerverband und der Zeitschrift „Satul“ (Das Dorf) wurde der Preis 2011 erstmals ausgelobt.


Jour Fixe 29. Januar 2015, 19.00 Uhr

Matthias Jobelius (Bukarest): Volle Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus Rumänien – Chancen, Vorteile, Risiken: Bilanz nach einem Jahr

Seit einem Jahr, seit dem 1.1. 2014, ist der deutsche Arbeitsmarkt auch für Arbeitnehmer aus Rumänien und Bulgarien geöffnet. Damals herrschte in Deutschland eine aufgeregte Debatte über eine „Armutseinwanderung“ in das deutsche Sozialsystem, auf die man sich nun gefasst machen müsse. Politiker und Medien schürten fremdenfeindliche Vorurteile und Panikmache. Zu kurz kamen in der öffentlichen Diskussion sachliche Argumente über die Vorteile, Chancen, aber auch die neuen Herausforderungen, die mit der vollen Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus diesen beiden Staaten einhergehen. Ein Jahr später stellen Arbeitsmarktexperten fest: es hat weder Masseneinwanderung nach Deutschland gegeben noch einen schweren Missbrauch der Sozialsysteme. Rumänen (und Bulgaren) sind seltener arbeitslos als der Durchschnitt der Deutschen; sie sind gut im Arbeitsmarkt integriert.
Nach diesem ersten Jahr der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen (und Bulgaren) ziehen wir Bilanz: Was hat sich nach einem Jahr für die Rumänen verändert? Wie viele sind gekommen und wie ist deren Arbeitsmarktsituation in Deutschland (Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Gehaltsstruktur, Leistungsbezug, Gefahr der Ausbeutung durch mafiöse Geschäftemacher, Schwarzarbeit), auch im Vergleich zu anderen Zuwanderergruppen? Wie ist die Lage in den Kommunen? Was sind Gründe für die Abwanderung aus Rumänien, wie ist die soziale Lage im Land und was sind Migrationsmuster in Rumänien?

Matthias Jobelius leitet seit Mai 2012 die Bukarester Repräsentanz der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) für Rumänien und Moldau. Er studierte Politikwissenschaften in Berlin und London, vor seiner Berufung nach Bukarest war er u.a. Regionalkoordinator der FES für den Südkaukasus.


Zwischen Schichten der Erinnerung – Neue Medien in der aktuellen Kunst Rumäniens

Ein Vortrag von Prof. Dr. Ruxandra Demetrescu

Montag, 28. Januar 2013, um 20 Uhr

In Verbindung mit der Humboldt-Universität zu Berlin und
dem Deutschen Akademischen Austauschdienst.

Einladung

Begrüßung
Prof. Monika Grütters – Vorstand der Stiftung Brandenburger Tor
Prof. Dr. Horst Bredekamp – Humboldt-Universität zu Berlin, Kunstgeschichtliches Seminar

Die Arnheim-Professur geht auf den Filmkritiker und Filmhistoriker Rudolf Arnheim zurück, der die Theorie des „denkenden Sehens“ und Gestaltens entwickelte. Eine hochrangige interdisziplinäre Jury beruft jährlich einen ausländischen Gastdozenten an der Humboldt-Universität. Gefördert wird diese Professur durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Stiftung Brandenburger Tor.

Der Vortrag wird Bilder einiger engagierter, zeitgenössi­scher Künstler aus Rumänien als „lieux de mémoire“ – im Sinne von Pierre Nora – präsentieren. Vor allem in den Neuen Medien wird sichtbar, dass im Gegensatz zur Rückkehr in den „Elfenbeinturm“ des Ateliers jetzt der Blick des Künstlers auch politisch und sozialgeprägt ist. So stehen die Beobachtung und Kommentierung urbaner und sozialer Veränderungen im postkommunistischen Rumänien im Mittelpunkt z.B. der künstlerischen Tätigkeit Josef Kiralys. Die jüngere Generation versucht die Zeitgeschichte zu thematisieren: Stefan Sava, der die Spuren des Holocaust zeigt; Alexandra Croitoru, deren kritischer Blick unbequeme politische Wirklichkeiten und kulturelle Klischees offenbart; Bogdan Bordeianu, der in den „temporären“ Landschaften die Prekarität der Wirtschaft und der Gesellschaft zu präsentieren versucht.

Ruxandra Demetrescu ist Professorin für Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Staatlichen Universität der Künste in Bukarest, deren Rektorin sie von 2006 bis 2012 war. Die Schwerpunkte ihrer Forschungstätigkeit sind die Kunsttheorie der Moderne und Gegenwart und die Kunst der Neuen Medien in Rumänien. Von 1999 bis 2003 war sie die erste Leiterin des Rumänischen Kultur­instituts in Berlin.


Heimat – gerettete Zunge: Die rumäniendeutsche Literatur in der Bundesrepublik Deutschland

Bad Kissingen, 16. bis 18. November 2012

Einladung – Tagung

Freitag, 16. November 2012, 16:30 Uhr – 21:30 Uhr

  • 16:00 Uhr: Anmeldung und Kaffee und Kuchen
  • 16:30 Uhr: Eröffnung der Tagung
    • Grußwort: Leiter des Bildungswerkes
    • Grußwort: Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Präsident des Exil-P.E.N., Bremen
    • Einführung: Horst Samson, Generalsekretär des Exil-P.E.N.
  • 17:00 Uhr: Vom erzwungenen Abschied zur schwierigen Ankunft. Wegstrecken, Stationen und Diskursformen der rumäniendeutschen Literatur (1950-2000), Prof. h.c. Dr. Peter Motzan, Augsburg
  • 18:00 Uhr: Abendessen
  • 19:15 Uhr: Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 1
    • Moderation: Dr. Renate Windisch, Berlin
    • Hans Bergel (Prosa), Gröbenzell
    • Horst Samson (Lyrik), Neuberg/Hessen
  • 21:00 Uhr: Diskussion

Samstag, 17. November 2012, 9:30 Uhr – 20:30 Uhr

  • 9:30 Uhr: „Die fremde Stimme: zur Rezeption der rumäniendeutschen Literatur in der Bundesrepublik Deutschland“
    Ingmar Brantsch, Köln
  • 10:30 Uhr: Kaffeepause
  • 10:45 Uhr: Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 2
    • Moderation: Horst Samson
    • Franz Hodjak (Prosa), Usingen
    • Hellmut Seiler (Lyrik), Backnang
    • Klaus Hensel (Lyrik), Frankfurt am Main
  • 13:00 Uhr: Mittagspause
  • 14:30 Uhr: „Die Wiederentdeckung der Innerlichkeit in ‚Die deutsche Seele‘ (Thea Dorn/ Richard Wagner) und ihre Rezeption in der bundesdeutschen Öffentlichkeit“, Franz Heinz
  • 15:30 Uhr: Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 3
    • Moderation: Wolfgang Schlott
    • Johann Lippet (Prosa), Sandhausen
    • Ilse Hehn (Lyrik), Ulm
    • Balthasar Waitz (Prosa), Temeswar/Timisoara – Rumänien
  • 17:30 Uhr: Diskussion
  • 18:00 Uhr: Abendessen
  • 19:00 Uhr: Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 4
    Dieter Schlesak, (Prosa, Lyrik), Stuttgart / Camaiore-Italien

    • Moderation: Wolfgang Schlott

Sonntag, 18. November, 9:30 Uhr-12 Uhr

  • 9:30 Uhr: Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 5
    • Moderation: Horst Samson
    • Gerhard Ortinau, (Prosa), Berlin
  • 10:30 Uhr: Wer liest heutzutage ‚rumäniendeutsche’ Literatur? Anmerkungen zu den Entstehungsbedingungen einer Prosa-Anthologie, Dr. Olivia Spiridon (Tübingen)
  • 11:00 Uhr: Abschlusspanel: Perspektiven der rumäniendeutschen Literatur
    Hans Bergel, Ingmar Brantsch, Peter Motzan, Horst Samson, Dieter Schlesak
  • 12:00 Uhr: Ende der Tagung
    Mittagessen

Deutsch–Rumänische Konferenz

Mittwoch, den 26. September 2012, um 15:00 Uhr

Aus Anlass des 20. Jahrestages der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien laden das Deutsch-Rumänische Forum und die Botschaft von Rumänien herzlich ein zu einer Konferenz zum Thema

„Deutsch-Rumänische Beziehungen– Was uns verbindet, was uns trennt“

Einladung

Programm

Anmeldeformular


Hab‘ ich Angst? Märchen und Mythen der Roma

Donnerstag, 6. September 2012, 18:00 Uhr

Buchvorstellung und Theateraufführung

- gelesen und gespielt –

mit Franziska Gerth und Bettina Schubert

Nach der Veranstaltung kann man mit den Mitwirkenden ins Gespräch kommen.
Ab 19 Uhr wird gegrillt.


Nationales Jugendorchester Rumänien

4. August 2012 – 20:00 Uhr

Konzerthaus – Großer Saal

Programm

  • Dan Dediu – Frenesia 2 für Orchester, UA
  • Frédéric Chopin – Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll op. 11 (1830)
  • Sergej Rachmaninow – Symphonische Tänze op. 45 (1940)
  • George Enescu – Rumänische Rhapsodie A-Dur op. 11 Nr. 1 (1901)
  • Cristian Mandeal – Dirigent
  • Mihaela Ursuleasa – Klavier
  • Dan Dediu – Komponist, Uraufführung

Das Nationale Jugendorchester Rumänien tritt mit Stars der Musikwelt auf: Neben dem Dirigenten Cristian Mandeal, der bei Karajan und Celibidache studiert hat, tritt die ECHO Klassik Preisträgerin Mihaela Ursuleasa auf.

Es gibt eine Uraufführung, zwei Kompositionen zwanzigjähriger Komponisten und ein Alterswerk: Mit dieser Zusammenstellung will das Nationale Jugendorchester Rumänien das Publikum bei seinem Young Euro Classic-Debüt begeistern.

Chopins Erstes Klavierkonzert trug dem 20-jährigen Chopin bereits bei der Uraufführung lebhafte Bravorufe ein.

Den Solopart bei Young Euro Classic 2012 übernimmt die temperamentvolle Ausnahmepianistin Mihaela Ursuleasa.

Ebenfalls großen Erfolg hatte der junge Komponist George Enescu mit seiner folkloristisch inspirierten Rumänischen Rhapsodie Nr. 1 aus dem Jahr 1901.

Wie Enescu stammt auch der 1967 geborene Komponist Dan Dediu aus Rumänien. In seiner neuesten Komposition „Frenesia 2“, die bei Young Euro Classic uraufgeführt wird, verwandelt er sein musikalisches Material in „karnevalesken Schaum“.

Das Programm wird abgerundet mit Sergej Rachmaninows „Symphonischen Tänzen“, die der Komponist 1940 auf Long Island als letztes und – wie er selbst sagte – bestes Werk seiner Karriere vollendete.

Die Leitung des Abends übernimmt mit Cristian Mandeal ein erfahrener Orchestererzieher, der die Bukarester Philharmonie in seiner mehr als 20-jährigen Zeit als Chefdirigent zu einem internationalen Spitzenorchester formte.

http://www.young-euro-classic.de/programme/details/551/


„Umerziehung“ durch Folter– Das Experiment von Pitesti

30. Mai 2012, 19 Uhr

Einladung

Filmvorführung und Diskussion

Begrüßung

Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor Deutsche Kinemathek
Dr. Alexandrina Panaite, Stellv. Leiterin Rumänisches Kulturinstitut Berlin
Dr. Hubertus Knabe, Direktor Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Filmvorführung


Demascarea – Die Entlarvung

Dokumentarfilm von Nicolae Margineanu und Alin Muresan

Diskussion

Alin Muresan, Schriftsteller und Drehbuchautor
Nicolae Margineanu, Regisseur
Petru Cojocaru, Zeitzeuge
Dr. Hubertus Knabe, Historiker
Moderation: Helmuth Frauendorfer, Stellv. Direktor Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Es sind Szenen wie in dem Spielfilm „Das Experiment“: Studenten foltern Studenten. Im kommunistischen Rumänien wurde dies 1949 Realität. In einem Gefängnis der Ortschaft Pitesti führte der Geheimdienst Securitate so genannte Umerziehungsmaßnahmen durch, mit denen die Inhaftierten zu treuen Genossen erzogen werden sollten. Die Gefangenen, meistens kritische Studenten, mussten zu diesem Zweck ihre Mithäftlinge foltern. Das Experiment erwies sich als so effektiv, dass dieMethode bald im ganzen Land angewendet wurde.

60 Jahre später haben der rumänische Drehbuchautor Alin Muresan und der Regisseur Nicolae Margineanu über das makabre Experiment von Pitesti einen Film gedreht. Im Beisein der Autoren und eines Zeitzeugen wird der 70-minütige Film „Die Entlarvung“ erstmals in Berlin aufgeführt.


Verlassene Erzählungen einer versunkenen Welt

Dienstag, 20.03.2012, 20.00 Uhr

Eginald Schlattner ließt im Literaturhaus

Für alle diejenigen, die den derzeit wohl bekanntesten rumäniendeutschen Schriftsteller Eginald Schlattner einmal persönlich kennenlernen wollen, bietet sich im März die einmalige Gelegenheit, Gast bei seiner deutschen Lesetour zu sein.


Präsentation der ersten vier Bände der Buchreihe LITTLE GLOBAL CITIES: Novi Sad, Osijek, Szeged, Temeswar

Am Dienstag, den 13. März 2012, um 19 Uhr


Einladung

Lesung und Gespräch mit den Autoren:

  • Marc Degens (Bonn, Stadtschreiber in Novi Sad)
  • Esther Kinsky (Berlin / Battonya, Stadtschreiberin in Temeswar)
  • Bojan Kripokavic (Novi Sad)
  • Tímea Turi (Szeged)

Mit zahlreichen Bildern, Texten und persönlichen Eindrücken aus den Städten und einem Essay von Gernot Wolfram.

Moderation: Hana Stojic, Übersetzerin und Projektleiterin der Litle Global Cities in Sarajevo

Musikalische Intervention: Damir Out Loud

Eine Veranstaltung von inter:est Kulturprojekte in Kooperation mit dem Kerber Verlag und dem Collegium Hungaricum Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung,

Kontakt
gf@inter-est.de
T +49 30 3180 1760


Roma in Europa und Ungarn – ist das ein Problem?

Donnerstag, 16. Februar 2012, 19.00 Uhr

Podiumsgespräch zum Thema

Es diskutieren:

  • Zoltán Balog, Staatsminister für soziale Angelegenheit,
  • Lívia Járóka, MdEP für FIDESZ und inzwischen die überhaupt noch einzige Abgeordnete aus der Roma-Minderheit im Europäischen Parlament,
  • Heribert Heuss, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma,
  • Mónika Mécs, Produzentin des Filmes „Csak a szél“ (Nur der Wind), Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale 2012,
  • Daniel Strauß, Leiter des Kulturhauses RomnoKher – ein Haus für Kultur, Bildung und Antiziganismusforschung gGmbH, Mannheim

Moderation: Ernst Hebeker, Leiter des Hauptstadtbüros der Hanns-Seidel-Stiftung

Im Anschluss Empfang, gegeben von der ungarischen Botschaft.

Herr Botschafter Dr. Czukor hat freundlicherweise wieder die Mitglieder und Freunde der DUG als Zuhörer eingeladen. Wie in diesen Fällen üblich und in Fortsetzung eines bereits eingespielten Verfahrens werden interessierte Gäste gebeten, sich vorher bei uns anzumelden, damit die DUG die Liste als Sammelanmeldung weiterleiten kann. Bitte benutzen Sie aus Zeitgründen – soweit Ihrerseits ein Internetanschluß vorhanden ist – unseren E-Mail-Anschluß (info@d-u-g.org), sonst das Telefon 030-242 45 73 (auch den angeschlossenen Anrufbeantwor-ter) und nennen Sie Ihren Namen und ggf. den Ihrer Begleitung(en). Ihre Anmeldung erbitten wir bis zum 16. Februar, spätestens 12.00 Uhr!

Es handelt sich im übrigen um den von Herrn Dr. Czukor in der Veranstaltung der DUG in der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam für den 17. Februar angekündigte Roma-Informationsabend; er mußte aus organisatorischen Gründen um einen Tag vorgezogen werden.


Bartók – Enescu – Beethoven

Mittwoch, 18.01.2012, 19.00 Uhr

Mit Cristian Petrescu (Flügel) und Adriana Winkler (Violine).

Das Programm des Abends:

Béla Bartók: 2. Violinsonate op. 76 (1922)
2. Satz – Molto moderato | 2. Satz – Allegretto

George Enescu: 3. Violinsonate (im rumänischen Volkston) op. 25 (1925)
1. Satz – Moderato malinconico | 2. Satz – Andante sostenuto e misterioso | 3. Satz – Allegro con brio, ma non troppo mosso

Ludwig van Beethoven: 9. Violinonate (Kreutzer-Sonate) op. 47 (1802-03)
1. Satz – Adagio sostenuto. Presto | 2. Satz – Andante con Variazioni | 3. Satz – Presto


Ein-Blick in die Kultur rumänischer Roma

Mittwoch, den 11.01.2012, 17.00 bis 19.00

zur interkulturellen Sensibilisierung

Bezirksamt Neukölln von Berlin
Abteilung Bildung, Schule, Kultur und Sport

Europabeauftragte

Joscha Remus (Journalist und Schriftsteller)

Einladung

Die Zuzüge von EU-Bürgern aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten wie Rumänien und Bulgarien bleibt konstant und ist im Wesentlichen auch eine Armutswanderung. Damit einhergehend sind Sie in den unterschiedlichen Dienststellen und Institutionen mit den Neuankömmlingen konfrontiert und wissen doch nur wenig über die Kultur der Roma, die so andersartig erscheint. Mit dieser Veranstaltung sollen kulturelle Unterschiede und deren geschichtlichen Hintergründe beleuchtet werden.