Jour Fixe – 5 Dezember 2016, 19.00 Uhr

Dr. Lucian-Attila Blaga (Timișoara/Hamburg): Vor den Wahlen in Rumänien: Was bewegt die Menschen? Politikverdrossenheit und verfehlte Kommunalpolitik am Beispiel Timișoara

Vortrag und Diskussion

Im Juni 2016 wurden in Rumänien Bürgermeister und Stadträte neu gewählt. Das Wahlergebnis in Timișoara/Temesvar sorgte für Schlagzeilen: der umstrittene Bürgermeister Nicolae Robu wurde wiedergewählt – bei einer Wahlbeteiligung von nur 28 Prozent! Wie kommt es, dass 72 Prozent der Bürger die Kommunalwahl egal waren? Ausgerechnet in der Stadt, in der im Dezember 1989 die „Revolution“ begann, die zur Absetzung von Ceaușescu führte und Rumänien die Demokratie und EU-Mitgliedschaft brachte.

Wie wird die Wahlbeteiligung in Timișoara bei den Parlamentswahlen am 11. Dezember sein? Wird sich die Unzufriedenheit auf kommunaler Ebene und eine allgemeine Politikverdrossenheit wieder in einer extrem niedrigen Wahlbeteiligung niederschlagen?

„Man hat genug Gründe, in Temesvar zufrieden zu leben: die Stadt wurde vor kurzem zur Europäischen Kulturhauptstadt 2021 ernannt, der Kreis Temesch hat eine Arbeitslosigkeit von knapp über 1%. Eine Art Paradies, wenn man es mit anderen Regionen in Rumänien oder sogar Europa vergleicht. Eine so niedrige Wahlbeteiligung (wie im Juni) ist ein klarer Schlag für die Politiker. Denn die Politik ist es, die mit den Gefühlen und Hoffnungen der Menschen gespielt und sie danach immer wieder enttäuscht hat“, so Lucian Blaga. Er zeigt mit vielen (Foto-und Video-) Beispielen die verfehlte und korrupte Kommunalpolitik: kostspielige und sinnlose Baumaßnahmen, veraltete Straßenbahnen, die stecken bleiben, ganze Stadtteile, die in der Nacht im Dunkeln sind, Fabriken und historische Gebäude in den Händen von obskuren Schatten-Geschäftsleuten. Blaga: Führungspositionen sind auf Parteiangehörigkeit angewiesen und was der Parteiboss (lokal oder national) sagt, wird im Rat stets gewählt, mit vielleicht einigen Enthaltungen.

Dr. Lucian-Attila Blaga, seit 2011 als Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material-und Küstenforschung, pendelt zwischen Hamburg und seiner Heimatstadt Timișoara, wo er an der Technischen Universität als Bauingenieur promovierte und an der Banater Zeitung mit arbeitete. Er ist in keiner Partei, jedoch aktiv in sozialen Netzwerken (Mitglied/Gründer verschiedener Plattformen für politisch-gesellschaftliche Diskussionen).

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

  • 25. Januar 2017: Zehn Jahre Mitgliedschaft in der EU: Podiumsdiskussion mit Politikern und Journalisten
  • 08. Februar 2017: Dr. Mariana Hausleitner/Prof. Dr. Viorel Achim: Verbrechen an den rumänischen Roma im zweiten Weltkrieg
  • März: Stephan Meuser/FES Bukarest: Die politische Lage in Rumänien nach den Dezember-Wahlen

Buchpräsentation “Lagerlyrik” – 23 November 2016, 19.00 Uhr

Hrsg: Günter Czernetzky, Renate Weber-Schlenter, Luzian Geier, Hans-Werner Schuster, Erwin-Josef Ţigla, Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt 201

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

Bitte rechtzeitig anmelden: hermine-untch@deruge.org

Fast jeder/jede aus Rumänien stammende Deutsche kennt aus seiner/ihrer Familie die Erzählungen der im Januar 1945 in die Sowjetunion deportierten Generation. Es wurden „alle arbeitsfähigen Deutschen – Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren, Frauen von 18 bis 30 Jahren – , die sich auf den von der Roten Armee befreiten Territorien Rumäniens, Jugoslawiens, Ungarns, Bulgariens und der Tschechoslowakei befinden“ mobilisiert und „zum Wiederaufbau der Bergbauindustrie im Donezbecken und der Schwarzmetallurgie des Südens“ eingesetzt. Dieser Beschluss des sowjetischen Verteidigungskomitees erging am 16. Dezember 1944 und wurde von Stalin unterzeichnet.
Aus Rumänien wurden zwischen 70.000 und 80.000 Deutsche in sowjetische Arbeitslager verschleppt, wo sie zwischen 1945 und 1949 Zwangsarbeit leisteten.

Der Band „Lagerlyrik“ ist zum 70. Jahrestag der Deportation erschienen. Er sammelt Gedichte, Fotografien, Zeichnungen, Lieder, Verse, Reime und Sprüche der Deportierten selbst und dokumentiert ihr Leben und vor allem ihr Leiden in den Arbeitslagern aber auch ihre Hoffnung und ihren Überlebenswillen.

Über dieses Thema wurde in der Öffentlichkeit lange geschwiegen. Erst nach 50 Jahren begann die wissenschaftliche Aufarbeitung. 2009 setzte Herta Müller den Deportierten ein literarisches Denkmal in ihrem Buch „Atemschaukel“. Erst mit „Lagerlyrik“ erhalten die Betroffenen selbst eine Stimme.

  • Einführung: Luzian Geier
  • Lesung mit Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin
  • Lichtbilder des Fotografen Marc Schröder: Porträts von Deportierten
  • Lichtbilder von Günter Czernetzky: Fotografien und Zeichnungen aus dem Buch
  • Büchertisch
  • anschließend kleiner Empfang

Ort: Im Rumänischen Kulturinstitut , Reinhardtstr. 14 10117 Berlin (S/U-Bahn Friedrichstraße)

Jour Fixe – 12 Oktober 2016, 19.00 Uhr

Dr. Mihaela Niemczik-Arambasa (Potsdam): Deutsch-Rumänische Geschäftsbeziehungen: Wann gelingen sie, wann scheitern sie? Aspekte der interkulturellen Zusammenarbeit deutscher und rumänischer Unternehmen

Vortrag und Diskussion

Ein typisches Beispiel für deutsch-rumänische Irritationen aus der Praxis von Mihaela Niemczik-Arambasa: „Eine deutsche Managerin ist im Büro einer rumänischen Filiale in Deutschland. Der Filialleiter ist ein Rumäne aus Bukarest. Er kommt ins Büro und begrüßt alle Männer per Handschlag. Nur die Managerin aus Deutschland begrüßt er mit einer kleinen Kopfbewegung. Die deutsche Managerin ist verunsichert, sie fühlt sich ausgegrenzt.“ Was steckt hinter diesem Verhalten des Rumänen? Will der rumänische Filialleiter tatsächlich die deutsche Managerin ausgrenzen?

Viele deutsche Unternehmer, die Geschäfte in und mit Rumänien treiben, denken nicht daran, dass für den Erfolg des Geschäftes eine Auseinandersetzung mit den lokalen Gepflogenheiten und der Arbeitskultur notwendig ist. Oft lautet die Begründung: “Wir haben unser Unternehmen in Deutschland erfolgreich aufgebaut, nach dem genau gleichen Modell werden wir auch die Filiale in Rumänien aufbauen. Rumänien liegt ja in Europa, die kulturellen Unterschiede sind nicht so groß wie im Vergleich mit Ländern wie China oder Japan.”

Diese Aussage stimmt nur teilweise; oft sind die kleinen Unterschiede entscheidend für ein gutes Geschäftsklima. Studien zeigen, dass durch interkulturelle Reibungen zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 20 bis 25% der jeweiligen Projektkosten entstehen. Außerdem scheitern 70 % aller internationalen Kooperationen nicht an fachlichen Kompetenzen, sondern an interkulturellen Problemen. Fazit: Wer in Rumänien ein Unternehmen eins zu eins nach deutschem Modell aufbauen möchte, ist wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.

Anhand von konkreten Beispielen des Geschäftslebens in beiden Ländern präsentiert Mihaela Niemczik-Arambasa konträre Arbeitseinstellungen, die bei der Zusammenarbeit am häufigsten zu Missverständnissen und unnötigen Reibungen führen können.

Dr. Mihaela Niemczik-Arambasa ist promovierte Humangeographin und zertifizierte Trainerin und Coach für interkulturelle Kompetenzen. Seit 2006 freiberufliche Trainerin, Coach und Beraterin für interkulturelle Kompetenzen mit Schwerpunkt Deutschland, Rumänien und Osteuropa. Sie studierte in Bukarest und Potsdam, Promotion an der Universität Potsdam in der Abteilung Sozial- und Kulturgeographie.

Ort: Im „Leonhardt“ Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

  • 10. November: Der rumänische Botschafter, SE Emil Hurezeanu im Gespräch mit der DRG
  • 05. Dezember: Dr. Lucian Blaga (Timisoara): Politikverdrossenheit und verfehlte Kommunalpolitik am Beispiel Timisoara

Vorschau auf 2017:

  • 25. Januar 2017: Zehn Jahre Mitgliedschaft in der EU: Podiumsdiskussion mit Politikern und Journalisten
  • 08. Februar 2017: Dr. Mariana Hausleitner/Prof. Dr. Viorel Achim: Verbrechen an den rumänischen Roma im 2. Weltkrieg

Jour Fixe – 5 September 2016, 19.00 Uhr

Dr. Peter Rosenthal (Köln): Von Arad nach Köln: “Angekommen und doch Unterwegs”

der Autor über seinen Erinnerungs-Roman “In die Zeit fallen”

Lesung und Gespräch

Die Eltern emigrieren in den frühen siebziger Jahren voraus nach Deutschland. Der Junge bleibt zurück bei der Großmutter. Gefangen in einer Zeitfalle: in „Wenigeralszweijahren“ soll er nachreisen können. Eine rumänische Kindheit in der Ceaușescu-Diktatur als Sohn „republikflüchtiger“ Juden. Misstrauen, Ausgrenzung, eine lebensgefährliche Attacke. Sonntägliche Langeweile in den leeren Straßen Arads, am Fluss Marosch, an der Grenze zu Ungarn. Jugendliche Melancholie, stille Rebellion und Suche nach Geborgenheit in der Synagoge. Mit beginnender Pubertät, mit 13, dann die Ausreise in den „betäubenden Komfort der bundesrepublikanischen Wohlstandsgesellschaft“. Die Muttersprache? „Mehrsprachigkeit“: rumänisch, ungarisch, deutsch. Schulschwänzen, Lesebegeisterung und allmähliche eine „Verwandlung“. Wie durch einen Nebel das Erleben des vielschichtigen Exils in einer lange als fremd empfundenen Umgebung. Anpassung und Assimilation. Dennoch die „Wunde der Emigration“.
Nach Jahrzehnten in Köln das emotionale Wagnis einer Reise in seine („schlechte“) Heimat Rumänien, an die Orte der Kindheit. Er ist „wieder zu Hause im Ausland“. In seinem Erinnerungsroman verknüpft Peter Rosenthal subtil Reflexionen über Herkunft und Heimat, über das Zulassen, Entdecken und Wertschätzen von Erinnerungen.

Dr. med. Peter Rosenthal, geboren 1960 in Arad, mit 13 Jahren Ausreise nach Deutschland. Medizinstudium in Köln. 2001 Veröffentlichung „Entlang der Venloer Straße“, ein Briefroman, in dem er sich in Briefen an seinen in Israel lebenden Freund mit dem Leben in Deutschland auseinandersetzt. Publikationen in Zeitschriften. Der Internist Peter Rosenthal ist Hausarzt in Köln. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

  • 12. Oktober: Dr. Mihaela Niemczik-Arambasa: über Missverständnisse und das Gelingen von deutsch-rumänischen Geschäftsbeziehungen
  • 10. November: Der rumänische Botschafter Emil Hurezeanu im Gespräch mit der DRG
    Dezember: Stefan Meuser, der neue Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bukarest, über Ergebnisse und Auswirkungen der Parlamentswahlen in Rumänien.

Jour Fixe – 3. Mai 2016, 19.00 Uhr

Dr. Michaela Nowotnick und William Totok (Berlin): Der “Fall Eginald Schlattner”.

Schriftsteller und Securitate im kommunistischen Rumänien

Vortrag

Als Schriftsteller wurde Pfarrer Eginald Schlattner aus Rothberg/Roșia ab den 1990er Jahren berühmt. Seine Romane, in das Schicksal Siebenbürgens verwoben, mit unverkennbar autobiographischen Bezügen, erreichten in Deutschland hohe Auflagen. Als im Jahr 2000 „Rote Handschuhe“ erschien, entfachten sich erneut die alten, bis heute andauernden Kontroversen um das Verhalten des Autors in jungen Jahren. Der Roman thematisiert seine eigene Haftzeit und Verurteilung in den 1950er Jahren. Er spielt zu einem großen Teil in einer Gefängniszelle der rumänischen Securitate, in der Schlattners Alter Ego festgehalten und zur Denunziation gegen seine Schriftstellerkollegen gezwungen wird. Er soll Informationen über Freunde und Kollegen, ja über seinen eigenen Bruder liefern. Unter dem massiven Druck bricht er letztendlich zusammen und wird zum Hauptbelastungszeugen.

“Rote Handschuhe” bezieht sich auf den „Schriftstellerprozeß“ von 1959 im rumänischen Kronstadt: in einem Schauprozess gegen eine Gruppe junger Schriftsteller der deutschen Minderheit wurden fünf Angeklagte zur insgesamt 95 Jahren Haft und Arbeitslager verurteilt und 1968 freigelassen. Eginald Schlattner wurde später beschuldigt, als „Kronzeuge“des Schauprozesses die Angeklagten belastet zu haben – ein Vorwurf, der in der rumäniendeutschen Szene untrennbar mit der Rezeption von „Rote Handschuhe“ und der Aufarbeitung des Schriftstellerprozesses verbunden ist.

Zum „Fall Schlattner“ präsentieren die Referenten neue Erkenntnisse aufgrund von jahrelangen Recherchen. Im „Fall Schlattner“ wurden, wie sie nachweisen, Akten manipuliert, Übersetzungen verfälscht, bestellte Gutachten vorgelegt. „Es konnten“, so Michaela Nowotnick, „Mechanismen ausfindig gemacht werden, die Gerüchte zu Wahrheiten werden lassen“. Diskutiert werden muss, inwieweit diese Forschungsergebnisse ein neues Licht auf den „Fall Schlattner“ werfen.

Dr. Michaela Nowotnick, Literaturwissenschaftlerin am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität Berlin. Dissertation zum Thema „Die Unentrinnbarkeit der Biographie. Eginald Schlattners Roman ‘Rote Handschuhe’ – Eine Fallstudie zur rumäniendeutschen Literatur nach 1945“. Mitarbeit am Projekt zur „Erfassung und Notsicherung in Privatbesitz befindlicher Quellen und Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur in Rumänien“.

William Totok, rumäniendeutscher Schriftsteller, Publizist. Mitbegründung der Schriftstellervereinigung „Aktionsgruppe Banat“ (1972-75); wegen „Verbreitung staatsfeindlicher Gedichte“ 1975/76 in Haft. Forschungen und zahlreiche Publikationen zur Securitate.

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Juni, Juli und August: Sommerpause!

Jour Fixe – 13. April 2016, 19.00 Uhr

Carmen Francesca Banciu (Berlin): Mein Jahr in einem rumänischen Dorf

Lesung aus den in Cața/Katzendorf entstandenen Texten

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

  • Fotos von Land und Leuten

  • anschließend kleiner Empfang

Das Dorf Cața/Katzendorf im siebenbürgischen Rumänien hat eine kleine Kirchenburg, ein altes Pfarrhaus-Gebäude, nur noch wenige deutsch sprechende Einwohner, liegt idyllisch zwischen Eichenhainen und ist auf kaum einer Landkarte zu finden. Für ein Jahr wurde der Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu der Titel „Dorfschreiberin“ von Cața/Katzendorf verliehen. Mit dem Titel war ein manchmal monatelanger Rückzug in eine Welt verbunden, in der Pferdekarren noch üblich sind. Für die aus Rumänien stammende, großstädtisch-elegante Schriftstellerin war diese Zeit eine ungewohnte Herausforderung. Wie fremd ist ihr die ländliche Umgebung, die sie an Kindertage erinnert? Wie schockierend ist die direkte Konfrontation mit Armut, Bildungsnot, Hoffnungslosigkeit in einem früher wohlhabenden Dorf, in dem es damals eine Siebenbürgisch-Sächsische Mehrheit gab? Wie begegnen die Menschen in Cața/Katzendorf der Rumänin aus Berlin?

Der „Dorfschreiberpreis“ wurde zum dritten Mal verliehen. Initiator ist der in Berlin lebende, aus Siebenbürgen stammende Autor und Filmemacher Frieder Schuller, der in dem ehemals evangelischen Pfarrhaus von Katzendorf aufgewachsen ist. Wer den Preis erhält soll, so Frieder Schuller: „in die Sprache der Dorfbewohner hineinhören, sich wundern, mitreden, um einen Dichterbeitrag zum gegenwärtigen Transsilvanienbild hinzuzufügen“.

Carmen-Francesca Banciu, geboren im rumänischen Lipova, seit 1992 in Berlin, schreibt in deutscher Sprache. Ausreise nach Publikationsverbot in Rumänien wegen der Verleihung des Internationalen Kurzgeschichtenpreises der Stadt Arnsberg für die Erzählung „Das strahlende Ghetto“ (1985). Autorin vielbeachteter Romane (2007:“Das Lied der traurigen Mutter“), zahlreiche Preise und Stipendien. Zuletzt erschien ihr Essay-Band „Leichter Wind im Paradies“. Mitherausgeberin des transnationalen e-Magazins „Levure Litteraire“; Mitglied im Beirat der DRG.

Ort: Im Rumänischen Kulturinstitut , Reinhardtstr. 14 10117 Berlin (S/U-Bahn Friedrichstraße)

Die nächsten Termine:

  • 03. Mai 2016 Dr. Michaela Nowotnick/William Totok: „Der Fall Eginald Schlattner“ – Schriftsteller und Securitate im kommunistischen Rumänien

Jour Fixe – 11. März 2016, 19.00 Uhr

Hermann Kurmes (Măgura bei Zărneşti / Rumänien): Entwicklung und Ziele des Ökotourismus in Rumänien

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

  • Vortrag, Fotos
  • anschließend kleiner Empfang

Rumänien hat Naturfreunden einiges zu bieten. Bekannt sind vor allem das Biosphärenreservat Donaudelta mit über 300 Vogelarten und die rumänischen Karpaten, wo mehr als 30 Prozent der europäischen Bär-, Wolf- und Luchs-population lebt. Daneben gibt es über das gesamte Land verteilt unzählige Naturschutzgebiete, viele Nationalparks und Naturparks. Insgesamt ist mehr als 8,3 Prozent der 238.391 Quadratkilometer Landesoberfläche geschütztes Gebiet.

Vor diesem Hintergrund gründete Hermann Kurmes 1999 zusammen mit seiner Frau Katharina Carpathian Nature Tours (cntours), die erste rumänische Reise-agentur für naturnahen, nachhaltigen Tourismus in Rumänien. Er baute sein Unternehmen zum bedeutendsten rumänischen Reiseveranstalter für umwelt-freundliche und naturnahe Reisen aus. Der besondere Schwerpunkt liegt auf Natur- und Wanderurlaub für Familien und Kleingruppen in den Karpaten und in Siebenbürgen. Stammhaus von cntours ist die Villa Hermani in Măgura (Bezirk Braşov/Kronstadt) im Nationalpark Piatra Craiului in den Südkarpaten.

In seinem Vortrag wird Hermann Kurmes auf die Grundsätze des Ökotourismus in Rumänien eingehen, die Aktivitäten des nationalen Ökotourismusverbands “AER” und dessen Projekt „ökotouristische Destinationen“ erläutern und uns schließlich anhand von Lichtbildern einige historisch gewachsene Regionen Rumäniens vorstellen.

Hermann Kurmes, geboren in Wolkendorf/Vulcan in Siebenbürgen kehrte nach ein paar Jahren in Deutschland 1997 zusammen mit seiner Frau in seine siebenbürgische Heimat zurück, wo er 1999 CNTOURS gründete. 2003 war er Gründungsmitglied des ersten nationalen Ökotourismusverband “AER” (www.eco-romania.ro). CNTOURS ist regelmäßig, so auch in diesem Jahr, auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin vertreten.

Ort: Im Rumänischen Kulturinstitut , Reinhardtstr. 14 10117 Berlin (S/U-Bahn Friedrichstraße)

Die nächsten Termine:

  • April: Carmen Francesca Banciu: Mein Jahr in einem rumänischen Dorf
  • Mai: Dr. Mariana Hausleitner: Der Holocaust an den rumänischen Roma

Jour Fixe – 10. März 2016, 19.00 Uhr

Philipp Harfmann/Ruth Istvan (Sibiu/Hermannstadt): Siebenbürgische Kirchenburgen zwischen Tourismus und Verfall

Powerpoint-Vortrag, Videos, Fotos

Etwa 150 Kirchenburgen und mittelalterliche Wehrkirchen gibt es im siebenbürgischen Rumänien. Sie wurden von den Siebenbürger Sachsen einst gebaut zur Verteidigung gegen Türken und Tataren-Einfälle. Zum Weltkultur-Erbe gehören sieben der schönsten und bedeutendsten dieser stolzen Denkmäler einer inzwischen gefährdeten Kulturlandschaft. Einige Kirchenburgen sind durch private Spenden instand gesetzt worden und befinden sich in gutem Zustand. Doch viele, wenn nicht die meisten, Kirchenburgen verfallen. Erst vor wenigen Wochen brach der Turm der Kirche in Radeln auseinander. Die Kirchenburgen stehen leer und werden nicht mehr genutzt, weil die meisten Deutschen das Land verlassen haben. Aber der Zustand der Kirchenburgen ist auch gefährdet durch gut gemeinte, aber fachlich falsch durchgeführte Reparaturen. Die Stiftung Kirchenburgen wurde von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien gegründet, um ein kostbares kirchliches Kulturerbe zu erhalten. Dazu gehören konservatorische Arbeiten, Fachveranstaltungen, Tourismusförderung und Öffentlichkeitsarbeit. Schirmherren der Stiftung Kirchenburgen sind der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis und der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck.

Philipp Harfmann, geboren in Berlin, seit 1.1.2016 Geschäftsführer der Stiftung Kirchenburgen in Sibiu/Hermannstadt. Dipl.Ing. für Stadt-und Regionalplanung, Planer und Berater in verschiedenen Ländern mit Schwerpunkt in Osteuropa und Rumänien, seit 2008 in der Leitstelle Kirchenburgen tätig.

Ruth Istvan geboren in Broos/Orăștie, seit 1.1.2016 Referentin für Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Kirchenburgen. 1984 aus Rumänien ausgewandert, Tourismusstudium in Heidelberg, verschiedene Auslandsaufenthalte, seit 2014 für das Projektbüro Leitstelle Kirchenburgen tätig.

Ort : Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

  • April: Carmen Francesca Banciu: Mein Jahr in einem rumänischen Dorf
  • Mai: Dr. Mariana Hausleitner: Der Holocaust an den rumänischen Roma

Jour Fixe – 10. Februar 2016, 19.00 Uhr

Dorothee Hasnaș (Bukarest): Bukarest zwischen Ost und West

Lichtbildervortrag: Stadt-, Architektur- und Kulturplanung bis 2025

In Kooperation mit der Architektenkammer Berlin – in der Architektenkammer Berlin, Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin

anschließend kleiner Empfang

Bitte unbedingt per mail schriftlich anmelden: seminare@ak-berlin.de

Könnte Bukarest die „Europäische Kulturhauptstadt 2021“ werden? Um diesen begehrten, den Tourismus fördernden, Titel zu erringen, stünde der Stadt ein Kraftakt bevor. Die hässlichsten Spuren der sozialistischen Städte- und Architekturplanung müssten verschönt werden. Die gewachsenen Viertel, die Ceaușescu von 1977 bis 1989 abreißen ließ, um Platz für seinen „Palast des Volkes“ zu schaffen (500 ha!) bleiben natürlich verschwunden. Verhindert werden könnte aber, dass unter Denkmalschutz stehende Wohn- und Industriegebäude und gewachsene Straßennetze weiter von Post-Kommunistischen Baulöwen abgerissen werden. Der Masterplan für die Stadt-, Architektur- und Kulturplanung bis 2025 umfasst u.a. tiefgreifende Neuerungen für den öffentlichen Verkehr, für Plätze und Parks, für eine neue städtische kulturelle Identität im Zentrum, für öffentliche Flanierwege am ehemals lieblichen Dambovita-Fluss. Dorothee Hasnas berichtet, mit einem Rückblick auf das frühere „Paris des Ostens“, über die Zerstörungen durch den rumänischen Kommunismus, die Entwürfe von 13 Planungs-und Architekturbüros für ein schöneres Bukarest und die Bemühungen von Bürgerinitiativen um den Erhalt vergangener Pracht.

Dorothee Hasnaș, rumänische Architektin, Städteplanerin und Künstlerin mit Schweizer Wurzeln. Nach Abschluss des Studiums in Karlsruhe 5 Jahre in unterschiedlichen Architekturbüros in Zürich. Seit 2012 Projektkoordinatorin beim Kreativzentrum „The ARK Bukarest“. 2014 Bericht „Stadtplanung, Design für die Kulturstrategie –Planung für Bukarest bis 2025“; 2015 Mitarbeit am neuen Baedeker „Rumänien“. In Haiti Mitarbeit bei Kampagne für erdbebensicheres Bauen mit Lokalmaterialien des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (2011). Ausstellung Zürich „3 mal Bukarest: Boheme- Diktatur-Umbruch (2010)

Ort: Architektenkammer Berlin, Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin

U-Bahn Hallesches Tor/ Prinzenstrasse, S-Bahn Anhalter Bahnh., Bus M 29 Lindenstrasse

Die nächsten Termine

  • März 2016: Carmen Francesca Banciu: Mein Jahr in einem rumänischen Dorf

Jour Fixe – 20. Januar 2016, 19.00 Uhr

Sven J. Irmer (Bukarest): Rumänien im Superwahljahr 2016

in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin

Ort: Konrad-Adenauer-Stiftung, Klingelhöferstr. 23, 10785 Berlin

Einlass nur nach vorheriger Anmeldung (https://aoweb.kas.de/KAS_VaAnmeldung/Teilnehmerdaten.aspx?id_v=51890&a_A=1)

Vortrag und Diskussion – anschließend kleiner Empfang

In Rumänien werden 2016 wichtige Weichen für die Zukunft des Landes gestellt: bei den Kommunalwahlen im Juni werden die Repräsentanten aller 41 Kreise des Landes, sämtliche Gemeinderäte und alle Bürgermeister gewählt. Im Herbst folgen die Parlamentswahlen, bei denen es erstmals die Möglichkeit einer Briefwahl für alle, auch die Auslandsrumänen, geben könnte. Die Briefwahl ist eines der Vorhaben der neuen, „technokratischen“ Regierung unter Dacian Cioloș, die Ende November 2015 von Präsident Klaus Johannis nominiert wurde. Wird die „technokratische“ Regierung die Erwartungen der jungen Rumänen erfüllen können? Im Kabinett sind nicht länger Parteigänger, sondern Fachleute vertreten, die sich viel vorgenommen haben, so Bekämpfung der Korruption, bessere Nutzung europäischer Fördergelder, Stopp der Abwanderung von qualifizierten Rumänen. Das Jahr 2016 ist auch eine Bewährungsprobe für Präsident Johannis. Er ist seit gut einem Jahr im Amt und muss beweisen, wie er seinen Handlungsspielraum für ein „besseres“ Rumänien nutzen will.

Sven-Joachim Irmer hat am 1. Juli 2012 die Leitung der Konrad Adenauer-Stiftung (KAS) in Bukarest übernommen. Der Politik-Profi hat als Insider vor Ort die Jugend-Proteste in Bukarest vom letzten Oktober/ November verfolgen können, die zum Sturz der Regierung Ponta führten. Irmer studierte Sozialpädagogik und Betriebswirtschaft und arbeitete vor seiner Tätigkeit für die KAS bei der „Steltemeier Strategieberatung for Public Affairs“.

Ort: Konrad-Adenauer-Stiftung, Klingelhöferstr. 23, 10785 Berlin

Bus 100, 106 200, 187 Station Nordische Botschaften/KAS, U –Bahn Nollendorfplatz

Die nächsten Termine:

  • 10. Februar 2016: Dorothee Hasnas (Bukarest): Die Stadt -und Architekturplanung für Bukarest (in Kooperation mit der Architektenkammer Berlin)

Jour Fixe – 9. Dezember 2015, 19.00 Uhr

Nico Schmolke (Berlin): 7 Tage Bukarest : Mit dem Blick eines VideoBloggers

Erwartungen, Erfahrungen, Ergebnisse eines Kurz-Aufenthalts

Sieben Tage mit neugierigem Blick in einer fremden Großstadt wie Bukarest – was fällt auf, was gefällt, was befremdet, was meint man schon gekannt zu haben? Welche Vorurteile werden aufgeweicht und welche bestätigt? Und warum ausgerechnet Bukarest wählen für ein Blogging-Experiment mit der Videokamera? Der Student Nico Schmolke fand das am Rande der EU gelegene Bukarest interessanter als Paris, London oder Madrid. Auch diese europäischen Hauptstädte standen zur Auswahl bei der Bewerbung um ein kurzes Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung im Rahmen eines Debattenportals „SagWas“. Schmolke bloggte eifrig, was er in sieben Tagen Bukarest entdeckte, immer auf der Suche nach „Lichtblicken… denn Rumänien muss doch auch positives zu bieten haben“. Bestätigen kann er heute, dass die Korruption das größte Problem ist. Zu den Lichtblicken zählt er u.a. das große bürgerschaftliche Engagement von überwiegend jungen Leuten, die er befragte. In sieben Tagen bloggte Nico Schmolke sechs VideoFilme und schrieb einen Artikel über die schwule, immer noch diskriminierte, Szene Bukarests. In seinen Videos werden Themen wie Auswanderung, Korruption, hauptstädtische Kulturschaffende, Roma, Flüchtlinge, Bürgerschaftliches Engagement untersucht. Nico Schmolke war Anfang Oktober in Bukarest, also vor dem Disco-Brand und den dadurch entflammten Demonstrationen, die den Rücktritt von Regierungschef Ponta auslösten.

Nico Schmolke studiert an der FU Berlin Politikwissenschaft und steht kurz vor dem Master-Abschluss. Der 24-jährige Student ist zur Zeit Journalismus-Praktikant bei der „Berliner Zeitung“

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

  • 22. Januar 2016: Sven Irmer (Bukarest): Politischer Ausblick auf 2016
  • 10. Februar 2016: Dorothee Hasnas (Bukarest): Die Stadt -und Architekturplanung für Bukarest (in Kooperation mit der Architektenkammer Berlin)