Jour Fixe – 22. November 2017, um 19.00 Uhr

Paula Schneider (Leipzig): Als “Stadtschreiberin” 2017 in Brașov / Kronstadt

“Diese Orte sind nicht nur schön, sondern haben auch etwas zu erzählen”

Ein literarischer Abend mit Texten und Fotos aus der Zeit in Rumänien

Moderation: Hermine Untch (DRG)

Von Mai bis Oktober 2017 lebte die Leipziger Schriftstellerin Paula Schneider als „Stadtschreiberin“ in Kronstadt/Brasov, in einer Gegend, die ihr aus früheren Aufenthalten nicht ganz unbekannt war. Und doch staunte sie am Ende ihrer Zeit in Rumänien immer noch: “Besonders viel Platz aber hat der Himmel genau hier: im Rendezvousgebiet von Süd- und Ostkarpaten, in Siebenbürgen, dem Burzenland, in Kronstadt.“
Den fünfmonatigen Aufenthalt ermöglichte das „Deutsche Kulturforum östliches Europa“.

Zum 9. Mal wurde das Stadtschreiber-Stipendium für eine Stadt in Osteuropa ausgeschrieben – in diesem Jahr also Kronstadt – mit dem Ziel, „das gemeinsame kulturelle Erbe der Deutschen …in jenen Regionen..in denen Deutsche gelebt haben und heute noch leben… einer breiten Öffentlichkeit bekannt“ zu machen. Wie sie diesen Auftrag des Kulturforums umsetzen würde, blieb der Kreativität und der Schöpfungsphantasie der Schriftstellerin völlig überlassen.

Paula Schneider führte ein Internet-Tagebuch und berichtete als Bloggerin über ihre Begegnungen, Erlebnisse und Erfahrungen. Der Verkehrspolizist an der Ecke, ein kesser Spruch auf einer Mauer, EU-Fahnen auf dem Marktplatz, Regenschirme und Sonnenhüte: Was auch immer sie faszinierte, – und das war fast alles – notierte und dokumentierte sie in nachdenklichen Texten und poetischen Fotos. Eine Auswahl wird sie uns heute präsentieren.

Paula Schneider, geb.in Leipzig, Kindheit in Berlin, 2003 Diplom am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Verschiedene Stipendien (u.a. Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste). Seit 2007 regelmäßig Radiofeatures und Hörspiele. Mehrfache Auszeichnung dieser Arbeiten (u.a. mit dem Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung). Ein thematischer Schwerpunkt der Autorin ist das östliche Europa (so z.B. in den künstlerischen Deutschlandfunk-Features „Dewotschka und toter Mann“ sowie „Totleben. Eine russische Insel, die es nicht gibt“, oder in der Reportage „Wunderwetter im Karpatenknick“ für das Magazin Theater der Zeit). Im Rowohlt –Verlag erschien 2016 ihr Roman „Bleib bei mir, denn es will Abend werden. Die Geschichte einer langen Liebe“.

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

Am 25. November 2017 findet die Mitgliederversammlung der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft mit Vorstandswahlen statt, 15.30- 18.30 Uhr im „Leonhardt“. Aus Platzgründen können Gäste leider nicht teilnehmen. (Schriftliche Einladung folgt).

Jour Fixe – 23. Oktober 2017, um 19.00 Uhr

Dr. Esther Quicker (Köln): Zwischen Zuneigung und elitärem Rassismus: Eine Studie über das gespaltene Bild der Roma in Rumänien

Vortrag und Diskussion

Etwa jeder zehnte Rumäne gehört zu einer Minderheit. In dem Land mit nur 20 Millionen Einwohnern leben 19 verschiedene Ethnien mit eigenen Traditionen, rund zehn verschiedenen Muttersprachen, 16 Religionsgemeinschaften. Die ca. zwei Millionen Roma bilden die größte autochtone Minderheit Rumäniens. Ihnen wird seit den 1990er Jahren, so Esther Quicker, die Rolle eines „nationalen Feindbildes“ zugewiesen. Die Idee einer biologischen, physischen, intellektuellen Unterlegenheit der „Zigeuner“ sei vor allem in wohlhabenden und akademischen Kreisen verbreitet.
Welche Einstellung sich in den Köpfen von Jugendlichen festgesetzt hat, wird erstmals in der groß angelegten Studie untersucht, die auch eine anonyme Befragung von über 500 Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Das Ergebnis in Kürze: fast die Hälfte der Jugendlichen (48 %) zeichnet ein ausgeprägt negatives Bild; auf der anderen Seite haben neun Prozent eine neutrale und 18 Prozent eine positive Einstellung.
Welches sind die Wurzeln, Gründe und Funktionen der Ablehnung, die zu der Migration vieler Roma u.a. nach Deutschland geführt haben? Wann und unter welchen Bedingungen kam es im Laufe der rumänischen Geschichte zu einer positiveren Sicht?

Dr. Esther Quicker, Romanistin, Soziolinguistin, Beteiligung an Projekten zur Dorfentwicklung und Inklusion der Roma-Bevölkerung, Mitglied im internationalen Graduiertenkollegs Jena „Kulturelle Orientierungen und gesellschaftliche Ordnungsstrukturen in Südosteuropa“, DFG- Forschungsstipendium für empirische Untersuchungen über Einstellungen zu den Roma in der rumänischen Gesellschaft, in Köln Integrationskurse für rumänische Migranten, Arbeitsgruppe Migration und Integration der AWO, gerichtlich zugelassene Übersetzerin für Rumänisch (OLG Köln)

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

Jour Fixe im November: Die Schriftstellerin Tanja Dückers berichtet über ihre Zeit als Dorfschreiberin in Cața/Katzendorf (Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben)

Jour Fixe – 20. September 2017, um 19.00 Uhr

Dr. Tobias Rüttershoff (Berlin): Die Republik Moldau – Zur politischen Lage in einem unruhigen und zerrissenen Land

Vortrag und Diskussion

Geographisch, ethnisch wie politisch ist die rumänisch („moldauisch“) sprechende Republik Moldau ein zerrissenes Land: Die Erklärung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahr 1991 beendete keineswegs die Konflikte zwischen der Zentralregierung in Chișinău und den von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten. Vor allem in Gaugasien und Transnistrien forderte man Unabhängigkeit. Ab 1992 eskalierte die Situation in Transnistrien. Gewaltsame Auseinandersetzungen mit über 1000 Toten wurden durch die dort stationierte russische Armee beendet.
Jetzt herrscht ein „frozen conflict“: eine de-facto-Unabhängigkeit dieses moldauischen Landesteils unter quasi russischer Führung. Die Region Gaugasien konnte 1994 friedlich wieder in die Republik Moldau eingegliedert werden, nachdem ein Autonomieabkommen ausgehandelt worden war.
Politisch ist das Land gespalten zwischen pro-europäisch denkenden und planenden Bürgern, von denen viele eine Wiedervereinigung mit Rumänien wünschen, und Anhängern eines pro-russischen Kurses. Bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2016 siegte der pro-russische Kandidat Igor Dodon. Dass seine pro-europäische Konkurrentin Maia Sandu nur knapp unterlag, kann auf die Wahlbeteiligung der rund 140.000 moldauischen Wähler im Ausland zurückgeführt werden. Nach einer UN-Studie verlassen täglich 106 Menschen das vor allem im Justizwesen korrupte Land.

Dr. Tobias Rüttershoff, seit dem 1. April 2017 als Länderreferent Ostmitteleuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) u.a. auch für Rumänien und die Republik Moldau zuständig. Studium der Politikwissenschaften, Öffentliches Recht, Internationale Beziehungen an den Universitäten Mannheim, Maastricht (NL), Sheffield (GB), Promotion Universität Exeter (GB) über US-amerikanische Sicherheitspolitik

17.30 Uhr, ebenfalls im Leonhardt: Vorbereitungs-Treffen der Teilnehmer der DRG- Studienreise in die Republik Moldau (1. bis 12. Oktober). Reiseleiter Christof Kaiser, im DRG- Vorstand für Studienreisen zuständig, führt in das Thema ein und erläutert alle praktischen Fragen

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

Jour Fixe im Oktober mit Dr. Ester Quicker über „Das Bild der Roma in der rumänischen Gesellschaft“; der genaue Termin wird noch bekannt gegeben!

Themenabend – 7. Juni 2017, 17.30–20.30 Uhr

DIE HOHENZOLLERN IN RUMÄNIEN (1866 –1947)

in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa

in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut

Ort: im Rumänischen Kulturinstitut, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin

Eine Anmeldung unter deutsches@kulturforum.info (Tel. 0331 – 20098 0) ist erwünscht.

Vor siebzig Jahren wurde König Mihai I. von den kommunistischen Machthabern zur Abdankung gezwungen. Damit endete die rumänische Erbmonarchie, die 1866 durch Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, ab 1881 König Carol I., in einem noch vom Osmanischen Reich abhängigen Fürstentum begründet worden war. Mit der Übernahme des rumänischen Throns durch einen süddeutschen Prinzen profitierte Rumänien in vielerlei Hinsicht von der Einbindung in das monarchische Beziehungs- und Kommunikationsgeflecht Europas. Die Monarchie stand vor der Herausforderung, eine Integration in den Westen bei gleichzeitiger Wahrung und Stärkung der nationalen Identität anzustreben. Diese Aufgabe bewältigten die vier rumänischen Könige höchst unterschiedlich.
Zehn Jahre nach dem Beitritt zur EU diskutieren vier Experten über die Frage, wie die Aufnahme Rumäniens in das System der europäischen Mächte des 19. Jahrhunderts
das Land beeinflusst hat, bis heute prägt und eine besondere Beziehungsgeschichte zwischen Rumänien und Deutschland begründete.

Programm

17.30–17.40 Uhr • Begrüßung
Claudiu Florian, stellv. Leiter des Rumänischen Kulturinstituts (Berlin)
Dr. Gerhard Köpernik, Präsident der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft (Berlin)
Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa (Potsdam)

17.40–18.40 Uhr • Einführende Kurzreferate
Dr. Dr. Gerald Volkmer (Oldenburg): Das Königshaus und Rumänien 1866–1918. Der Westen am Bukarester Hof – Europäische Integration durch dynastische Netzwerke
Dr. Edda Binder-Iijima (Göttingen): Das Königshaus und Rumänien 1918–1947. Dynastische und politische Krisen zwischen Demokratie und Autoritarismus
Dr. Anneli Ute Gabanyi (Berlin): Das Königshaus und Rumänien 1947–2017. Abschaffung der Monarchie – neue Rolle für das Königshaus

18.40–19.00 Uhr • Pause

19.00–19.30 Uhr • Lichtbildervortrag
Dr. Silvia Irina Zimmermann (Mannheim): Rumänien ein Gesicht geben. Die Königinnen Elisabeta und Maria als Botschafterinnen für das Königreich
19.30–20.30 Uhr • Podiumsdiskussion mit den Referenten

Moderation: Marianne Theil

Dr. Edda Binder-Iijima, geb. in Northeim bei Göttingen, Studium der Ost- und Südosteuropäischen Geschichte, Mittleren und Neueren Geschichte, Slawistik und Rumänistik,
seit 2006 Lehrbeauftragte für Südosteuropäische Geschichte an der Universität Heidelberg, Forschungsschwerpunkt mit Veröffentlichungen zur Monarchie, Institutionen- und Verfassungsgeschichte Rumäniens und Südosteuropas, Mitherausgeberin des Bandes Die
Hohenzollern in Rumänien und der Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva.

Dr. Anneli Ute Gabanyi, geb. in Bukarest, Studium der Anglistik, Romanistik und Politikwissenschaft, wiss. Mitarbeiterin und Leiterin der rumänischen Abteilung am Forschungsinstitut von Radio Free Europe in München, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Südost-Instituts in München und der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, zahlreiche Veröffentlichungen zur neuesten Geschichte und Gegenwart Rumäniens und der Republik
Moldau, Mitglied des Königlichen Rates.

Dr. Dr. Gerald Volkmer, geb. in Kronstadt/Brașov, Studium der Rechtswissenschaft, Mittleren und Neueren sowie Osteuropäischen Geschichte, wiss. Mitarbeiter bzw. stellv. Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. an der Ludwig-Maximilians-
Universität München, stellv. Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa an der Universität Oldenburg, Mitherausgeber des Bandes Die Hohenzollern in Rumänien.

Dr. Silvia Irina Zimmermann, geb. in Hermannstadt/Sibiu, Studium der Literaturwissenschaft, Anglistik, Kunstgeschichte und Soziologie; Übersetzerin, Initiatorin, Mitbegründerin und Leiterin der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs; zahlreiche Veröffentlichungen zur Person und Bedeutung der ersten rumänischen Königin, Königin Elisabeth, Mitherausgeberin der Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva.

Marianne Theil, geb. in Bukarest, Studium der Wirtschaftswissenschaften,
Journalistin, Ex-Korrespondentin WDR/ARD (Hörfunk) in Brüssel, Washington D.C., Hauptstadtstudio Berlin, Vorstandsmitglied der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft Berlin.

Ort: im Rumänischen Kulturinstitut , Reinhardtstr. 14 10117 Berlin (S/U-Bahn Friedrichstraße)

Jour Fixe – 24. Mai 2017, um 19.00 Uhr

Diana Rus, Ioana Dragoș, Monica Bota Moisin (Berlin): Die rumänische “Diaspora Civica Berlin” – Junge RumänInnen in Berlin proben den Aufstand

Moderation: Mona Vintila (DRG)

Vortrag und Diskussion

Nicht nur in Bukarest und in den großen Städten Rumäniens protestierten wochenlang Tausende gegen die Eilverordnung der Regierung, mit der die Anti-Korruptionsgesetze verwässert werden sollten. Auch vor der rumänischen Botschaft in Berlin und am Brandenburger Tor versammelten sich im Februar aufgebrachte Rumäninnen und Rumänen. Ihre auf Deutsch verfassten Plakate (z.B.„Rumänien sagt Nein zur Korruption“), richteten sich auch an die deutsche Öffentlichkeit, um Solidarität mit den Demonstranten in der Heimat zu zeigen. Die Protestaktion vom 25. Februar 2017 war die Geburtsstunde der „Diaspora Civica Berlin“, eine Gruppierung überwiegend junger, in Berlin lebender RumänInnen.
Von Berlin aus wollen sie sich durch politisches und kulturelles Engagement an der künftigen Gestaltung der rumänischen Gesellschaft beteiligen. „Wir tragen Verantwortung für die Gemeinschaft in Rumänien und wir wollen diese im Kontakt mit der rumänischen Diasporain Berlin wahrnehmen…Lasst uns gemeinsam Widerstand leisten!“ Wie können die vielen Berliner Rumäninnen und Rumänen für politisches Engagement interessiert werden, wie könnten von Berlin aus die Geschehnisse in Rumänien beeinflusst werden?

Drei junge Rumäninnen aus der “Diaspora Civica Berlin” stehen Rede und Antwort!

Ort: Im “Leonhardt” Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

  1. Juni: „Königreich Rumänien -Die Hohenzollern- Dynastie in Rumänien 1866 bis 1947“ Podiumsveranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa (Potsdam), dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Oldenburg) und dem Rumänischen Kulturinstitut (Berlin).

Jour Fixe – 19. April 2017, um 19.00 Uhr

Stephan Meuser (FES, Bukarest): Wie geht es weiter in Rumänien? Vortrag und Diskussion zur aktuellen Situation

in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.

In FES Berlin, Hiroshimastr. 28 (Haus 2), 6. Etage, 10785 Berlin (S/U Potsdamer Platz, Bus 200/ M29)

Bitte bestätigen Sie Ihre Teilnahme bis zum 11.4.2017: cindy.espig@fes.de Tel.269357487/Fax:269359250

Vortrag und Diskussion

Die Straßenproteste in Bukarest und den großen Städten Rumäniens haben auf den ersten Blick einiges bewirkt. Die Regierung zog die Eil-Verordnung zur Verwässerung der Anti-Korruptionsgesetze zurück, zwei Minister erklärten ihren Rücktritt, auf Initiative des Präsidenten Klaus Johannis wurde ein Referendum auf den Weg gebracht: Die rumänischen Bürger sollen über die Zukunft der Korruptionsbekämpfung abstimmen. Als „Lichter-Revolution“, als Ausdruck einer friedlichen Bürgerbewegung, werden die Demonstrationen in der europäischen Öffentlichkeit staunend bis bewundernd wahrgenommen. Längst haben sich die Proteste, so Stephan Meuser, „verselbständigt“ und vom eigentlichen Anlass (Amtsmissbrauch) gelöst. Demonstriert wird für die EU – sie steht für Rechtsstaat und Wohlstand – und gegen die tonangebenden „Eliten“, deren Prominenz ganz überwiegend nahtlos aus dem kommunistische Regime übernommen wurde. Wer sind die Demonstranten? Sind sie im Dezember 2016 zur Wahl gegangen? Ist denkbar, dass die protestierenden Massen sich in einer Massen-“Bewegung“ organisieren? Wie denkt die Landbevölkerung über die städtischen Straßenproteste? Wie kann verhindert werden, dass das Ergebnis des Volksentscheids durch Korruption „gekauft“ wird und welche Verbesserungen kann ein solches Referendum überhaupt herbeiführen?

Stephan Meuser leitet seit Juni 2016 das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Bukarest und hat die Straßenproteste aus nächster Nähe miterlebt. Zuvor war er für die FES in der Ukraine und Belarus tätig sowie als Referent im Referat Mittel- und Osteuropa in Berlin. Er hat Politik- und Rechtswissenschaften in Bonn und an der „Sciences Po“ (Institut d’Études Politiques) in Paris studiert. Von 2004 bis 2005 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin.

Ort: In FES Berlin, Hiroshimastr. 28 (Haus 2), 6. Etage, 10785 Berlin (S/U Potsdamer Platz, Bus 200/ M29)

Die nächsten Termine:

  1. Juni: Die Hohenzollern in Rumänien (1866-1947) Podiumsveranstaltung

Jour Fixe – 05. April 2017, 19.00 Uhr

Dr. Georg Herbstritt (Berlin): Securitate und Stasi – Entzweite Freunde. Der Weg von der Zusammenarbeit bis zum Zerwürfnis

  • Vortrag und Diskussion –

Dass die Geheimdienste der DDR und Rumäniens nach 1950 eng zusammenarbeiteten, lag nahe: die Rumänen und Rumäniendeutschen, die nach 1950 in die Bundesrepublik, oder, seltener, in die DDR kamen, waren für die Spionage-Arbeit der Securitate brauchbar, um die Verwandtschaft in Rumänien zu erpressen. Und die Stasi (MfS) war gerne bereit, dem „sozialistischen Brudervolk“ zu helfen. Berlin war damals die „Hauptstadt der Agenten“; hier tummelten sich in den „Residenturen“ Spitzel und Informanten, und manche Geschichte, die Georg Herbstritt recherchiert hat, liest sich wie ein Krimi: man liest von Entführungen und Erpressungen, von Rauschgiftschmuggel, vom Top-Terroristen Carlos, von der „Rumänischen Kolonie“, oder den Geschehnissen um „Gerda“. Das „Decknamen-Register“ umfasst zwei Seiten, das Personenregister ist sieben Seiten lang.
Ab den sechziger Jahren trübte sich das gute Verhältnis ein: Rumänien scherte immer wieder aus dem von der Sowjetunion dominierten Bündnissystem aus, schlug einen Sonderweg ein, indem es mit Blockfreien kooperierte und sich dem mit Moskau verfeindeten China annäherte. Die Freunde entzweiten sich im Laufe der 1960er Jahre. Das MfS begriff Rumänien fortan als ein potenziell feindliches Bruderland, das beobachtet wurde. Gestützt auf Akten aus beiden Ländern, untersucht Georg Herbstritt fast alle Bereiche, bei denen MfS und Securitate gemeinsam oder in Abgrenzung zueinander unterwegs waren. Ausführlich werden die politischen Zusammenhänge betrachtet: die (ost)deutsch-rumänischen Verflechtungen, der rumänische Sonderweg und die Strategien des östlichen Bündnisses im Umgang mit dem schwierigen Verbündeten.

Dr. Georg Herbstritt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Stasi-Unterlagen-Behörde mit dem Forschungsschwerpunkt „Auslandsaktivitäten der DDR-Staats-sicherheit“. Parallel dazu hat er über die rumänischen Securitate gearbeitet und in den Archiven der rumänischen „Stasi“-Behörde CNSAS in Bukarest über die Zusammenarbeit zwischen Stasi und Securitate geforscht. Ein Ergebnis ist die umfassende Studie, über die er beim JF berichtet.

Ort: I „Leonhardt“ Stuttgarter Platz 21/Leonhardtstrasse 10627 B-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenbg. U-Bahn Wilmersdorferstr.)

Die nächsten Termine:

  1. Juni: „Die Hohenzollern in Rumänien – Das rumänische Königshaus von 1866 bis 1947“ Podiumsveranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa (Potsdam), dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Oldenburg) und dem Rumänischen Kulturinstitut (Berlin).

“Jour Fixe” – 08. Februar 2017, um 19.00 Uhr

PD Dr. Mariana Hausleitner (Berlin) & Prof. Dr. Viorel Achim (Bukarest): Verbrechen an den rumänischen Roma im 2. Weltkrieg

in Kooperation mit der SÜDOSTEUROPA-GESELLSCHAFT

In der HU Berlin (Hauptgebäude), Unter den Linden 6, Senatssaal, 1. Stock

Vortrag und Diskussion

Zwischen Juni und September 1942 ordnete das faschistische Regime in Rumänien die Deportation von 25.000 bis 30.000 Roma nach Transnistrien an: betroffen waren etwa 12 Prozent der damaligen Roma. Auf Befehl von Marschall Ion Antonescu wurden als erstes jene Roma verschleppt, die man als „gefährlich und unerwünscht“ eingestuft hatte; Dokumente lassen vermuten, dass schließlich die gesamte Roma-Bevölkerung deportiert werden sollte. In den Arbeitslagern herrschten grauenvolle Zustände, vergleichbar jenen in den KZ der Nationalsozialisten. Schätzungen gehen davon aus, dass nur 1.500 Roma die Deportationen überlebten: ihnen gelang die Flucht aus den Lagern, als im Frühjahr 1944 die sowjetischen Truppen vorrückten und die rumänischen Truppen zurückwichen.

Auch für etwa 100.000 rumänische Juden aus der Bukowina und Bessarabien war Transnistrien die Hölle: 1941 organisierte der Generalstab der rumänischen Armee ihre Deportation in das Gebiet zwischen Dnjestr und Bug (heute Republik Moldau). Fast alle starben, wie auch die deportierten Roma, an Hunger, Kälte, Krankheiten.
Wie geht Rumänien 75 Jahre später mit dem Holocaust an den Roma um? Was wissen junge rumänische Roma von diesem dunklen Kapitel der rumänischen Geschichte?

PD Dr. Mariana Hausleitner, geboren in Bukarest, als Historikerin und Hochschullehrerin vor allem mit der Geschichte Südosteuropas im Faschismus des 20. Jahrhunderts befasst. Zahlreiche Publikationen zur Beteiligung Rumäniens an der Vernichtung der Juden, zu Deutschen und anderen Minderheiten in Ost-und Südosteuropa. Kuratorin der vielbeachteten Ausstellung „Die Polizei im NS-Staat“ (2011 im Deutschen Historischen Museum, Berlin)

Prof. Dr. Viorel Achim, Historiker am Nicolae Iorga Institut (Bukarest), profilierter Kenner der Geschichte der rumänischen Roma und der Minderheiten in Rumänien, dazu zahlreiche Publikationen; Fellow am Imre Kertesz Kolleg der Universität Jena (2012), Forschungen und Veröffentlichungen zu den deutsch-rumänischen Beziehungen 1940 – 1944.

Ort: In der HU Berlin (Hauptgebäude), Unter den Linden 6, Senatssaal, 1. Stock (U- und S- Bahn Friedrichtrasse)

Die nächsten Termine:
März: Stephan Meuser (Bukarest): Die politische Lage in Rumänien nach den Dezember-Wahlen
5. April: Dr. Georg Herbstritt (Berlin): Securitate und Stasi: Zusammenarbeit und Zerwürfnis

Podiumsdiskussion mit Politikern und Journalisten – 25. Januar 2017, um 18.00 Uhr

  • MdB Gunther Krichbaum (CDU)
  • MdEP Siegfried Muresan (EVP)
  • Keno Verseck (Spiegel online)

2007 Zehn Jahre Mitgliedschaft Rumäniens in der EU 2017

Eine Bilanz des Europäischen Jahrzehnts

Im Europäischen Haus, Unter den Linden 78, 10117 Berlin. !! Anmeldung erforderlich bis 15. Januar bei DRG-Schatzmeister: tony-kroenert@deruge.org

Moderation: Marianne Theil (DRG)

Mit Begeisterung und großen Erwartungen feierten die Rumänen den EU-Beitritt. Zehn Jahren später herrscht Enttäuschung bei sehr vielen Rumänen, deren wirtschaftliche Lage unbefriedigend geblieben ist, während viele sichtbar bereichert sind. Etwa ein Sechstel nutzt seit 2014 die volle Freizügigkeit und arbeitet in Westeuropa; fast drei Milliarden Euro wurden 2016 an Familien in der Heimat überwiesen. In zehn Jahren wurde viel erreicht: das Rechtssystem wurde reformiert, die Justiz funktioniert besser, gegen Korruption wird massiv vorgegangen, was von der EU-Kommission lobend hervorgehoben wird.

Die Diskussionsteilnehmer bilanzieren Fehlentwicklungen, Rückschläge, Erfolge und Hoffnungen, beispielsweise: Welche Branchen haben profitiert, wo fehlen und warum scheitern ausländische Direktinvestitionen, warum forschen nicht mehr europäische Wissenschaftler in Rumänien, wieso werden nicht alle EU-Strukturgelder abgerufen? Wie hat sich die Zivilgesellschaft entwickelt, wie steht es um die Diskriminierung von Minderheiten, in wessen Händen liegt die Macht der Medien, der „vierten Gewalt“? Vor welchem Hintergrund können sich nationalistisch-populistische Kräfte in Rumänien profilieren? Wie sollte Rumänien in der aktuellen Krise der EU agieren und wie sich auf seine EU-Ratspräsidentschaft 2019 vorbereiten?

Ort: Europäischen Haus, Unter den Linden 78, 10117 Berlin (S- und U-Bahn Friedrichstraße)
!! Anmeldung erforderlich bis 15. Januar bei DRG-Schatzmeister: tony-kroenert@deruge.org

Die nächsten Termine:

    1. Februar 2017: Dr. Mariana Hausleitner (Berlin)/Prof. Dr. Viorel Achim (Bukarest): Verbrechen an den rumänischen Roma im zweiten Weltkrieg
  • März: Stephan Meuser (Bukarest): Die politische Lage in Rumänien nach den Dezember-Wahlen
    1. April 2007: Dr. Georg Herbstritt (Berlin): Securitate und Stasi: Zusammenarbeit und Zerwürfnis