Am 24.06.2026 fand in der Botschaft Rumäniens in Berlin ein Experten-Gespräch zur Einführung von Rumänisch als Herkunftssprache in Berliner Schulen statt. Es moderierte DRG-Präsidentin Janka Vogel.
Im Gespräch waren I. E. Adriana Stănescu, Botschafterin Rumäniens in der Bundesrepublik, Dr. Daniel Reimann, Professor für Fachdidaktik der romanischen Sprachen und Literaturen an der Berliner Humboldt-Universität, Katy Pîrjol von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und Petronela Bordeianu, Projektmanagerin bei Koopkultur e.V. und Initiatorin der Rumänischen Kinderbibliothek Berlin.
Rund 20 TeilnehmerInnen waren gekommen, um von ihren Erfahrungen zu berichten, Beispiele einzubringen und kritisch nachzuhaken. Denn auch Kindern mit rumänischer Familiensprache sollte der Zugang zu schulischem Unterricht des Rumänischen eröffnet werden.
Prof. Reimann wies darauf hin, dass es hier eine große Diskrepanz gebe: Obwohl die rumänischstämmige Community eine der größten Zuwanderergruppen in Deutschland ist, gibt es immer noch kein Schulfach Rumänisch – im Gegensatz zu den anderen romanischen Sprachen.
Dr. Debora Gay, die sich v.a. mit dem Italienischen befasst, verglich die Situation mit derjenigen der sog. Gastarbeiter: jede neue Zuwanderergruppe und -sprache stoße im deutschen Bildungssystem auf die gleichen Hindernisse; die Ursachen seien struktureller Natur.
Obwohl es die gesetzlichen Grundlagen längst gibt, laufen die Prozesse in der Praxis nicht wie gedacht: die Eintragung der Familiensprache bei der Schulanmeldung berücksichtigt Rumänisch nicht, Interessenbekundungen für die Einrichtung von Lerngruppen werden nicht weitergeleitet, den Schulen fehlt es an Ressourcen und Willen, eine neue Herkunftssprache zu berücksichtigen, Sekretärinnen fordern dazu auf, nur Deutsch zu sprechen, Eltern geben enttäuscht auf. Adina Erdenberg von Akademie Rapsodie Berlin e.V., Maria Macher, langjährige Leiterin des Stadtteilmütter-Projektes, David Cobzaru, selbst rumänischer Lehrer, Ina Lappo-Danilewski vom Deutsch-Moldauischer Freundeskreis e.V. oder auch Alin Radu von der Diaspora Civică Berlin schilderten Erfahrungen und machten Vorschläge.
Der konstruktive Austausch endete mit verschiedenen Perspektiven, wobei die Vertreterin der Senatsbildungsverwaltung viel Mut machte, sich weiter für den Erstsprachenunterricht einzusetzen. Drei Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein: Bedarfsmeldung von mind. 12 interessierten SchülerInnen + Rumänisch-Lehrkräfte + finanzielle Möglichkeiten.
Langfristig kommt auch die Gründung einer Staatlichen Europa-Schule Deutsch-Rumänisch in Betracht. Die Idee stieß auf viel Resonanz, zumal dieses deutschlandweit einzigartige Modell in Berlin seit 1992 erfolgreich umgesetzt wird. Botschafterin Stănescu verwies auch auf die Möglichkeit des konsularischen Unterrichts und sagte in jedem Fall weiterhin ihre Unterstützung bei diesem Anliegen zu, zumal in Baden-Württemberg und Bayern bereits erste Erfolge zu verzeichnen sind.
Und vielleicht kann auch die Deutsch-Rumänische Gesellschaft e.V. unterstützen. Etwa bei der Schaffung einer neuen Struktur, wo Expertise, Community-Wissen, Kontakte und Austausch institutionalisiert sein könnten, wie es Paul Baiersdorf als Schnittstelle vorschlug. Die Humboldt-Universität stehe jedenfalls in den Startlöchern, Rumänisch-Lehrkräfte mit fortzubilden, sagte Prof. Reimann. Und zur Rolle der Zivilgesellschaft, MigrantInnen-Vereine und bilateralen Kulturgesellschaften hieß es in der Runde: “Es liegt in unseren Händen”.
